Liebe Leserinnen und Leser, Sie haben die Textversion unserer Jubiläumsschrift geöffnet. Diese Version ist hauptsächlich für Blinde konzipiert. Es wurden alle Grafiken und Bilder entfernt. Eine Komplettversion mit allen grafischen Elementen finden Sie im PDF-Format auf dieser CD. Alle Artikel sind am Anfang mit einem * gekennzeichnet, so dass Sie mit ctrl.+f und dem Suchbegriff * von einem Beitrag zum nächsten springen können. * Vorwort Die Träume von gestern sind die Hoffnungen von heute und die Realitäten von morgen. Robert Hutchings Godard Liebe Mitglieder, liebe Freunde des ZSL, im Herbst 2008 besteht das ZSL 20 Jahre. Dies wollen wir zum Anlass nehmen, auf das Erreichte zurückzuschauen. Und wir wollen das Jubiläum gebührend feiern! Für die Gründungsmitglieder – zu denen der heutige Vorstand zum Teil gehört – war die Gründung des ZSL ein großer Meilenstein, der in ihrem Leben sehr wichtig war. Viele Träume und Hoffnungen haben sich damit verbunden, einige davon sind sicher erreicht worden. Wir haben unser Engagement begonnen, um die konkreten Lebensbedingungen von Menschen mit Behinderungen zu verbessern, mehr selbstbestimmt leben zu können und an der Gesellschaft aktiv teilzunehmen. Und vor allem haben wir gelernt, uns für unsere Rechte selbst einzusetzen. Ziele des Vereins waren von Anfang an mehr Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung, Möglichkeiten mit Assistenz zu leben, mehr behindertengerechte Wohnungen, Mobilität oder mehr Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung. Das ZSL hat sich von einem Selbsthilfeverein zu einem professionellen Dienstleister mit vielen MitarbeiterInnen entwickelt, neben dem Assistenzdienst gibt es vielfältige Beratungsangebote und Öffentlichkeitsarbeit. Um die Unterstützung beim Thema Arbeit zu optimieren, haben wir gemeinsam mit „Gemeinsam leben - Gemeinsam lernen“ aus Lauf und dem „Freundeskreis Wichernhaus“ vor 10 Jahren die „ACCESS Integrationsbegleitung gGmbH“ gegründet.“ Wir freuen uns, dass sich das ZSL in Erlangen etabliert hat und wir in der Stadt deutlich spüren, dass Menschen mit Behinderung hier gut leben können, angefangen von barrierefreien Wohnungen bis zu ausreichend benutzbaren Niederflurbussen mit Rampe. Sicher hat sich die Lebenssituation vieler Menschen mit Behinderung verbessert und mehr Möglichkeiten der gesellschaftlichen Teilhabe haben sich entwickelt. Aber es gibt auch Tendenzen, die sich für uns bedrohlich entwickeln: Leistungen für Menschen mit Behinderungen werden gekürzt, Kürzungsabsichten im Gesundheitswesen (z.B. bei Hilfsmitteln) nehmen zu und machen uns Sorgen, in jeder Hinsicht wird die Bürokratie komplexer und der Einzelne braucht mehr Unterstützung, um sich zurechtzufinden. Das ZSL wird also weiterhin seine Aufgaben haben und mit Engagement daran arbeiten. Dafür brauchen wir viele Unterstützer und Menschen, die sich einsetzen – auch und nicht zuletzt junge Menschen mit Behinderungen, die sich engagieren wollen. ... denn eine Vision haben wir als Menschen mit Behinderung: Wir wollen in jede Gaststätte, die uns gefällt, in jedes Geschäft – ohne Stufen, überall öffentliche Toiletten benutzen können oder Signale für Menschen mit Sehbehinderungen an den Ampeln hören u.v.m. An dieser Stelle auch unser Dank an alle Menschen und Förderer, die das ZSL in all den Jahren unterstützt haben – sei es finanzieller oder anderer Art. Unser besonderer Dank geht auch an die Stadt Erlangen, die immer ein offenes Ohr für unsere Belange hat. Der Vorstand des ZSL Heidi Fischer, Theresia Adelfinger, Hilde Reinwand * Grußwort “ Mehr Selbstbestimmung statt Fremdbestimmung” 20 Jahre ZSL - Grußwort des Bayerischen Staatsministers des Innern Joachim Herrmann Seit 20 Jahren steht das ZSL e. V. Erlangen behinderten Menschen zur Seite und unterstützt sie dabei, ihre Selbständigkeit und Selbstverantwortung zu bewahren. Anlässlich dieses runden Jubiläums möchte ich dem Verein, seinen Verantwortlichen und Mitgliedern sowie allen engagierten Helferinnen und Helfern für ihren großartigen Dienst persönlich wie auch im Namen der Bayerischen Staatsregierung von Herzen danken und ihnen meine Hochachtung aussprechen. Erklärtes Ziel bayerischer Sozialpolitik ist es, Behinderte uneingeschränkt am gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, sportlichen und kulturellen Leben zu beteiligen und ihre Lebensqualität zu verbessern. Mit dem Bayerischen Gleichstellungsgesetz haben wir einen wichtigen Schritt in diese Richtung getan und die Voraussetzungen für eine möglichst umfassende Teilhabe – und damit für mehr Selbstbestimmung statt Fremdbestimmung – geschaffen. Das soziale Bayern ist mir ebenso wichtig wie das wirtschaftliche und das technologische Bayern. An diesem sozialen Bayern müssen wir gemeinsam bauen. Menschen mit Behinderung bedürfen unser aller Solidarität. Ihnen ein weitestgehend gleichberechtigtes und selbständiges Leben zu ermöglichen und bestehende Barrieren abzubauen, ist für mich eine besonders wichtige gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Das Zentrum für Selbstbestimmtes Leben Behinderter e. V. Erlangen hat sich dieser Aufgabe in vorbildlicher Weise angenommen. Ich wünsche allen hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des ZSL e. V. Erlangen für die kommenden Jahre alles erdenklich Gute, bestmöglichen Erfolg sowie viel Freude an der ebenso wichtigen wie verantwortungsvollen Tätigkeit im Dienste unserer Gemeinschaft und Gottes Segen. Joachim Herrmann, MdL Staatsminister * Grußwort “Unverzichtbare Dienste für unsere Bürgerinnen und Bürger” 20 Jahre ZSL- Grußwort des Oberbürgermeisters der Stadt Erlangen Dr. Siegfried Balleis Anlässlich des 20-jährigen Jubiläum des Zentrums für Selbstbestimmtes Leben Behinderter e.V. gratuliere ich im Namen der Stadt Erlangen sowie persönlich recht herzlich und wünsche dieser überaus wichtigen Einrichtung auch für die nächsten Jahre eine weiterhin erfolgreiche Entwicklung. Runde Jubiläen sind ein guter Anlass, um den Blick auf das bisher Erreichte zu richten. Diese Festschrift ist ein mehr als eindrucksvolles Dokument für 20 Jahre erfolgreichen Wirkens im Dienste von Menschen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. In diesen zwei Jahrzehnten haben Mitglieder und Mitarbeiter den Verein mit Leben erfüllt und den Menschen mit Behinderung ein Leben von hoher Qualität geschaffen und gesichert. Hervorgegangen aus einer Studenteninitiative vertritt das ZSL die Interessen von Menschen mit Behinderung in unserer Stadt. In vorbildlich konstruktiver Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung, guter Öffentlichkeitsarbeit und durch die Teilnahme an gesamtstädtischen Ereignissen hat das Zentrum nicht nur einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht, sondern die Gesellschaft für die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung sensibilisiert. Die qualifizierten Beratungsangebote und der Assistenzdienst erleichtern das Leben vieler behinderter Mitbürgerinnen und Mitbürger. Selbstbestimmt Leben wird durch wirtschaftliche Unabhängigkeit entscheidend unterstützt. Die Gründung von ACCESS, der Integrationsbegleitung für Menschen mit Behinderung im Arbeitsleben, war die logische Folge. Sie ist aus dem Wirtschaftsleben in Erlangen längst nicht mehr wegzudenken. Das ZSL bietet somit nicht nur unverzichtbare Dienste für unsere Bürgerinnen und Bürger mit Behinderung, sondern ist auch ein wichtiger Knotenpunkt im gesamtstädtischen Netzwerk all derjenigen, die unser Erlangen für alle Menschen lebenswert machen wollen. Dieses Jubiläum ist für mich Anlass, dem Vorstand, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie allen, die sich in vielfältiger Weise in den Dienst der behinderten Mitmenschen stellen und dazu beitragen, dass sich das ZSL zu einer so umfassenden und anerkannten Einrichtung entwickelt hat, für ihren unermüdlichen Einsatz zu danken. Ich wünsche noch viele segensreiche Ideen, damit die Teilhabe behinderter Menschen in unserer Gesellschaft Stück für Stück Realität wird. Dr. Siegfried Balleis Oberbürgermeister * Grußwort “Für viele ein unverzichtbarer Ansprechpartner” 20 Jahre ZSL- Grußwort des Mitglied des Landtages Wolfgang Vogel Sehr geehrte Damen und Herren, das Zentrum für Selbstbestimmtes Leben wird in diesem Jahr 20 Jahre jung. Dieses runde Jubiläum ist willkommener Anlass, um all den Verantwortlichen, all den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und den Unterstützern einmal mehr für ihr verdienstvolles und engagiertes Wirken zu danken. Für viele Menschen unserer Stadt ist das ZSL zum unverzichtbaren Ansprechpartner geworden. Menschen mit Behinderung wollen die Chance haben, wie andere auch ein selbstbestimmtes Leben zu führen und als gleichberechtigte Partner angesehen werden. Das haben gerade die Verantwortlichen in Zentrum für Selbstbestimmtes Leben immer wieder und mit großem Nachdruck zum Ausdruck gebracht. Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass Menschen mit Behinderungen in allererster Linie Mitbürgerinnen und Mitbürger sind - mit dem unbestreitbaren, selbstverständlichen Recht und mit dem Anspruch auf umfassende und vollständige Teilhabe am gesellschaftlichen Leben in unserer Stadt. Und erst in zweiter, dritter, vierter Linie unter anderem durch eine körperliche oder psychische Erkrankung sind sie vorübergehend oder längerfristig auf besondere Unterstützung angewiesen - nicht anders als Mitbürgerinnen und Mitbürger, die infolge von Handicaps eine angemessene Hilfe benötigen. Wir alle müssen ein Interesse daran haben, für gleichwertige Lebensbedingungen von Menschen mit und ohne Behinderung zu sorgen. Barriere- und Kommunikationsfreiheit - in unseren Köpfen und Herzen und in den uns umgebenden (realen und virtuellen) Räumen - müssen von daher ganz oben auf der Tagesordnung stehen. Es lohnt sich für uns alle, weiter daran zu arbeiten – um der selbstverständlichen Mitmenschlichkeit in unserer Stadt und in unserer Gesellschaft willen. Ich darf Ihnen dabei uneingeschränkt meine weitere Unterstützung zusagen. Wolfgang Vogel * Grußwort “Hier ist das ZSL die vermittelnde Stelle und Kooperationspartner“ 20 Jahre ZSL- Grußwort des Bezirkstagspräsidenten Richard Bartsch Selbstbestimmtes Leben – für uns alle eine Selbstverständlichkeit, ein unbedingtes Muss – aber, was viele Menschen nicht wissen – für Menschen mit Behinderungen erst eine, geschichtlich noch sehr junge Errungenschaft. Noch vor wenigen Jahrzehnten waren die Menschen in unserer Sozialgesellschaft überwiegend der Meinung, dass Menschen mit Behinderungen, vor allen Dingen diejenigen mit geistigen oder seelischen Behinderungen, nicht selbst entscheiden könnten, was gut für sie ist, sondern dass dies an ihrer Stelle andere Menschen tun. Aber was eigentlich ist eine Behinderung und was ist normal? Die Internetwissensplattform wikipedia erklärt dazu, es handelt sich um ein metrologisches Maß, dort werden Begriffe wie Referenzmaterial, Bezugsgröße und ähnliches genannt. Dies zeigt, das Wort bezieht sich auf Gegenstände und eben nicht auf Menschen. Wer definiert überhaupt „normal“? Oscar Wilde hat einmal gesagt: „Jeder Mensch hat seinen „wunden Punkt“ und das erst macht ihn menschlich“. Ich finde, dieses Zitat könnte ein Leitbild des ZSL sein. Jeder Mensch in unserer Gesellschaft hat seine Schwächen und wir sollten versuchen in unserem Handeln auf sie einzugehen – nicht aber sie über Gebühr zu betonen. Hier hat sich erfreulicherweise ein Paradigmenwechsel ereignet und so versuchen heute alle Institutionen, Wohlfahrtsverbände, aber auch die Träger der Sozialhilfe, dem berechtigten Anspruch der Menschen mit Behinderungen auf selbstbestimmtes Leben nachzukommen. Wir sind hier aber noch lange nicht am Ziel. Wir vom Bezirk Mittelfranken versuchen auch, in diesem Bereich innovativ zu sein und neue Wege zu erproben. Deshalb sind wir auch maßgeblich beteiligt am Modellversuch „Persönliches Budget“. Um der Idealvorstellung eines selbstbestimmten Lebens näher zu kommen braucht es vor allen Dingen ein genaues Verständnis dafür, welche Bedürfnisse und Vorstellungen Menschen mit Behinderungen diesbezüglich haben. Natürlich geschieht dies auch ständig im Spannungsfeld von Wünschenswertem und dem finanziell Machbaren. Hier ist das ZSL die vermittelnde Stelle und Kooperationspartner. Durch Ihre Personalstruktur und ihre Herkunft aus der Selbsthilfe sind sie ganz nahe an den Dingen; bieten sozusagen für die Betroffenen einen niederschwelligen Zugang. Ich möchte dem ZSL meinen herzlichen Glückwunsch und den Dank des Bezirkstages von Mittelfranken für 20 Jahre Arbeit, Engagement für ein selbstbestimmtes Leben von Menschen mit Behinderungen aussprechen. Angesichts der bestehenden Herausforderungen in diesem Bereich sage ich Ihnen auch für die Zukunft die gute Zusammenarbeit mit dem Bezirk Mittelfranken zu. Mit freundlichen Grüßen Richard Bartsch Bezirkstagspräsident * Grußwort “Das ZSL ist ein wichtiger Baustein“ 20 Jahre ZSL- Grußwort des Landrates Erlangen-Höchstadt Eberhard Irlinger „Behindert und selbstbestimmt Leben.“ Unter diesem Motto steht seit zwei Jahrzehnten die erfolgreiche Arbeit des Zentrums für Selbstbestimmtes Leben Behinderter e. V. in Erlangen. Mit berechtigtem Stolz kann das ZSL Erlangen in diesem Jahr sein 20-jähriges Gründungsjubiläum feierlich begehen. Dies ist ein freudiger Anlass nicht nur für die Menschen mit Behinderung und ihre Familien, sondern auch für die gesamte Bevölkerung des Landkreises Erlangen-Höchstadt. Als Landrat gratuliere ich sehr herzlich zu diesem Ereignis. Unser Ziel ist die Verwirklichung der umfassenden Teilhabe von Menschen mit Behinderung am Leben in der Gesellschaft, die Ermöglichung ihrer weitgehenden Selbstbestimmung und die konsequente Beseitigung von Diskriminierungen und Barrieren. Menschen mit Handicap müssen individuell gefördert und sowohl in die Gesellschaft, als auch in die Arbeitswelt so weit und gut wie möglich integriert werden. Das ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, der sich auch der Landkreis und das Zentrum für Selbstbestimmtes Leben Behinderter e. V. stellen. Als Landrat des Landkreises Erlangen-Höchstadt freut es mich ganz besonders, auf diesem Gebiet leistungsfähige Einrichtungen in der Stadt und im Landkreis ansässig zu wissen. Das ZSL ist ein wichtiger Baustein. Seit dem Jahr 1988 ist das Zentrum ein kompetenter, engagierter und zuverlässiger Partner für Menschen mit Behinderung in Stadt und Land. Das ZSL ermöglicht den Betroffenen, Entscheidungen selbst zu treffen. Das Zentrum versteht sich als Ort der Begegnung, um sich gemeinsam für gleiche Chancen und Selbstbestimmung von Behinderten einzusetzen. Menschen mit Behinderung sind in vielen Bereichen des täglichen Lebens auf die Unterstützung von anderen Menschen angewiesen. Die Persönliche Assistenz, die das ZSL anbietet, ermöglicht ein eigenständiges Leben im selbstgewählten Wohnumfeld nach den eigenen Vorstellungen sowie die Unabhängigkeit von stationären Hilfen oder der Versorgung durch Familienangehörige. Ich danke allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Freunden und Förderern, die über die Jahre diesen Weg mitgegangen sind und das ZSL unterstützt haben. Möge diese Einrichtung noch lange existieren und seinen Nutzerinnen und Nutzern Gutes bringen. Alle Gäste der Jubiläumsfeierlichkeiten grüße ich herzlich und wünsche frohe Stunden. Eberhard Irlinger Landrat * Grußwort “Behinderung? Bewunderung! 20 Jahre ZSL- Grußwort der Bürgermeisterin und Sozialreferentin der Stadt Erlangen Dr. Elisabeth Preuß Im dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte zeigt sich die systematische Verachtung der Menschenrechte auch und besonders im Umgang mit Menschen mit Behinderung. Dies wurde mir schlagartig klar (und ich schämte mich in diesem Augenblick sehr für meine bisherige Gedankenlosigkeit) als Herr Stefan Müller, Geschäftsführer der Lebenshilfe in Erlangen, mir vor vielen Jahren erklärte, warum es (damals) so wenig behinderte Senioren gab. Mit großer Dankbarkeit erkennen wir daher, dass im Jahr 2008 Menschen mit Behinderung (fast) überall da sind, wo auch Menschen ohne Behinderung sind: Diesem Ziel, ein gleichberechtigtes, selbstständiges Leben zu führen sind wir in Erlangen auch dank des ZSL in den letzten 20 Jahren ein gutes Stück näher gekommen. Die Schüler und Lehrer des Marie-Therese-Gymnasiums in Erlangen hatten Ende der 70er Jahre durch Wolfgang Uhl, dem späteren Begründer von StIB, die Chance zu erleben, dass Wille und Möglichkeit, gepaart mit Beharrlichkeit und Kreativität, Wege ebnen, die vorher unbegehbar erschienen. Das ZSL setzt diese Arbeit nun seit 20 Jahren fort: Auf lokaler, regionaler und internationaler Ebene wird verdeutlicht, dass Behinderten, wenn sie die ihren Lebensumständen angepassten Angebote bekommen, fast alle Wege offen stehen. Das Zentrum für Selbstbestimmtes Leben Behinderter war und ist für die Stadt Erlangen Gesprächspartner, kritischer Begleiter und oft auch ein Ort des Lernens. Dinah Radtke vor den Vereinten Nationen ist wohl das beste Beispiel wie weit im wörtlichen und übertragenen Sinn es das Erlanger ZSL in den 20 Jahren seines Bestehens gebracht hat: „Selbstbestimmt Leben“ wurde vom Schlagwort zum Programm und selbst in New York war die Stimme des ZSL zu hören! Die Stadt Erlangen blickt daher mit Stolz und Dankbarkeit auf die Arbeit der 20 Jahre und all die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesen Jahren und wünscht weiterhin eine deutliche, kluge und dialogbereite Stimme zum Wohle unserer Stadt. Dr. Elisabeth Preuß * Grußwort “Die Barrieren in den eigenen Köpfen überwinden“ 20 Jahre ZSL- Grußwort SPD-Stadtratsfraktion Erlangen Bürgermeisterin und Sozialreferentin a.D. Gisela Niclas Liebe Freunde und Freundinnen im ZSL, das ZSL wird 20. Das ist ein Grund zum Jubeln und zum Feiern. Zuallererst übersende ich deswegen die herzlichsten Grüße und Glückwünsche unserer gesamten SPD-Fraktion, aber ausdrücklich auch meine ganz persönlichen. Die streitbaren (ehemaligen) Studierenden, die im letzten Jahrtausend (!) das ZSL gegründet haben, lernte ich 1990 ziemlich bald nach meinem Amtsantritt als Bürgermeisterin kennen. Konkreter Anlass war der neue, städtebaulich sehr schön, aber streng nach den Vorgaben des Denkmalschutzes gestaltete Altstädter Kirchenplatz: Kopfsteinpflaster überall, bis zur Haustür von Dreycedern! Wer da als Behinderte/r im Rollstuhl in seine barrierefreie Wohnung wollte, musste erst einmal mühsam über das Kopfsteinpflaster holpern. Das machte den Menschen Schmerzen und tat auch der Haltbarkeit des Rollstuhls nicht gut. Es dauerte rund 2 Jahre, bis wir in gemeinsamer Anstrengung den Denkmalschutz, die Stadtplanung und den Kämmerer überzeugt hatten, dass „ebene Strecken“ in den Platz eingefügt werden müssen. Das ist heute Geschichte. Aber es war symptomatisch für den Umgang mit der Barrierefreiheit in der Stadt und......in den Köpfen! Als neue Kommunalpolitikerin habe ich damals durch die Überzeugungskraft der Menschen im ZSL ganz schnell gelernt, dass die Integration von Menschen mit Behinderungen davon abhängt, dass alle Verantwortlichen erst einmal die Barrieren in den eigenen Köpfen überwinden. Ich habe den eigenen Blick erweitert und schärfen gelernt. Dafür, aber auch für die bisher geleistete ideenreiche, kontinuierliche und die Stadt bereichernde Arbeit danke ich dem ZSL ganz persönlich und im Namen der Erlanger SPD. Stellvertretend für alle Engagierten in und um das ZSL nenne ich Dinah Radtke und Wolfgang Uhl, der uns leider viel zu früh verlassen hat. Es gab und gibt seitdem viele Gelegenheiten, gemeinsam mit dem ZSL erfolgreiche „Seilschaften“ in Sachen Barrierefreiheit zu bilden. In unserer Arbeitsgruppe zur Entwicklung von Vorgaben zum barrierefreien Bauen im sozialen Geschosswohnungsbau Anfang der 90er Jahre lernten wir, dass gebaute Barrierefreiheit nicht teurer ist, aber allen BewohnerInnen zugute kommt, den Kindern und ihren Eltern gleichermaßen wie älteren Menschen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind. In den frühen 90er Jahren, als das Geld wirklich knapp war, mussten wir den Zuschuss für das ZSL verteidigen; ging es doch vor allem darum, ein leistungsfähiges Netzwerk persönlicher Assistenz für Menschen auch mit schweren Behinderungen aufzubauen und damit das Menschenrecht auf Integration, Teilhabe und ein selbstbestimmtes Leben zu sichern. Ob Bordsteinabsenkungen, Blindenampeln, Behindertentaxi, Niederflurbusse, Busrampen und „eine Rampe für eine Stufe“ für Geschäfte und Gastronomie, barrierefreier Zugang zu den Schwimmbädern und Wasserflächen, die Erhaltung der Behindertenberatung im Erlanger Rathaus, Grußwort 11 der Grundsatzbeschluss des Erlanger Stadtrates „Richtlinie für das barrierefreie Bauen in städtischen Einrichtungen und im öffentlichen Raum“, die Erstellung des Internetführers DisabledGo – immer war und ist das ZSL fachkundiger Gesprächspartner und zeigt durch Überzeugungsfähigkeit Wege auf. Auch für die politischen Kräfte in Stadtrat und Verwaltung, die sich unter Verweis auf fehlende Finanzmittel zunächst in die Sackgasse der Ablehnung hineinmanövriert haben. Als SPD unterstützen wir besonders auch das erfolgreiche ZSL-„Tochterunternehmen“, den Fachdienst ACCESS, dessen Ziel es ist, für Menschen mit Behinderungen den passenden Arbeitsplatz zu finden. Das ist gerade in Zeiten von Arbeitsverdichtung und Personalabbau zur Steigerung des shareholders nicht einfach. Viele Betriebe und große Unternehmen unterlaufen die gesetzlichen Vorgaben zur Beschäftigung von behinderten Menschen immer noch zu häufig mit „Freikaufen“ oder Mehrfachanrechnungen. Demgegenüber gibt es aber auch ermutigende Beispiele, besonders in mittelständischen Betrieben. Diese müssen noch viel häufiger „multipliziert“ werden, denn das Recht auf Arbeit ist unteilbar. 20 Jahre sind aber auch eine Wegmarke: Wo stehen wir? Was bleibt zu tun? Viel. Am 1.1.2008 ist die Zuständigkeit für die Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen auf die Bezirke übergegangen, leider ohne die Möglichkeit für eine dauerhafte Delegation auf die Kommunen. Erlangen hat besonders in den Zeiten sozialdemokratischer Verantwortung beispielhafte Strukturen aufgebaut. Diese müssen erhalten und weiterentwickelt werden. Da darf es auch bei veränderten Zuständigkeiten keinen Abbau geben: Für die Menschen, die hier leben, ist in allererster Linie „ihre“ Stadt zuständig. Das gab für mich persönlich Ende 2007 den Ausschlag, bei den Bezirkswahlen zu kandidieren. Ich will mich in beiden Gremien, im Stadtrat und im Bezirkstag, dafür einsetzen, dass wir hier „vor Ort“ weiter miteinander erfolgreich Integration gestalten können. Denn: Noch immer fehlen genügend barrierefreie Wohnungen und Verkehrsangebote sowie kleinräumige Sozialstrukturen - darunter so „unaussprechliche“ Dinge wie genügend barrierefreie öffentliche Toiletten in der Erlanger Innenstadt - , um nicht nur Behinderten, sondern den Menschen in einer insgesamt älter werdenden Gesellschaft solange wie möglich ein Leben in Selbstversorgung, Eigenständigkeit und Selbstbestimmung zu sichern. Ich bin dem ZSL sehr dankbar, dass es sich aus Anlass seines Jubiläums mit dieser gemeinsamen politischen Aufgabe befassen wird. Ich hoffe sehr, dass die TeilnehmerInnen der bundesweiten Tagung, die dazu am 11. Oktober hier in Erlangen zu Gast sind, gute barrierefreie Bedingungen vorfinden, am Bahnhof, in den Hotels, in der Kongresshalle, aber auch in unseren Köpfen und Herzen, durch unsere Bereitschaft, dazuzulernen. Ich wünsche dem ZSL für die weitere Arbeit langen Atem und Erfolg. Die SPD-Fraktion wird auch weiterhin eine verlässliche Partnerin sein. Herzliche Grüße Gisela Niclas * Grußwort “Zunächst voll Verwunderung, aber jetzt voll Bewunderung” 20 Jahre ZSL- Grußwort der ehemaligen Bürgermeisterin der Stadt Erlangen Ursula Rechtenbacher Liebe ZSLer, allem vorangestellt sei mein Glückwunsch zu diesem stolzen Jubiläum. Verhehlen will ich aber nicht, dass ich zunächst voll Verwunderung war, dann aber jetzt voll Bewunderung bin. Verwunderung, weil ich vor 20 Jahren mir habe nicht vorstellen können, wie ein solches Unterfangen gelingen soll. Bedenken hatte ich deshalb, weil ich wusste, welche „behördlichen Steine“ aus dem Weg geräumt werden mussten, um so etwas „Neues“ durchzusetzen. Verwundert war ich auch, weil ich sah, mit welchem Einsatz und welcher Ausdauer – ich will nicht Hartnäckigkeit sagen, aber man könnte es so nennen – die Betroffenen ihr Ziel verfolgten. Und die Bewunderung, weil dies Unterfangen 20 Jahre – und hoffentlich noch viel länger - Bestand hat. Lassen sie sich – die Initiatoren, die Verantwortlichen, alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und nicht zuletzt die Betroffenen selbst – recht herzlich gratulieren zur Feierlichkeit anlässlich der Gründung dieser bahnbrechenden Einrichtung vor 20 Jahren! Zur damaligen Zeit waren die Vorraussetzungen relativ günstig: Es herrschte die Bereitschaft, auch von den Seiten der Stadtverwaltung und des Stadtrats, die Lebensverhältnisse Behinderter zu verbessern. Die Notwendigkeit wurde erkannt. Das schlug sich nieder in Veränderungen: Das erste Wohnmobil für Behinderte konnte vorgestellt werden, eine gemeinsame Fahrt zur Besichtigung der neusten Niederflurbusse nach München hat stattgefunden, der Einbau eines Aufzuges ins Markgrafentheater wurde in Angriff genommen, usw. Alles ein Verdienst der damals aktiven Betroffenen, sie haben als Sachverständige und „Selbsterfahrene“ uns die nötigen Anregungen gegeben und uns in der Umsetzung maßgeblich unterstützen können. An was erinnere ich mich im Besonderen, wenn ich an die „Gründerzeit“ des Zentrums denke? Ich denke an viele Vorgespräche, vor allem aber an lange Sitzungen mit sehr vielen Verantwortlichen aus Behörden, z.B. der Regierung von Mittelfranken, dem Versorgungsamt oder dem bayerischen Sozialministerium. Wir saßen damals einen sehr langen Tag im 14.Obergeschoss des Rathauses und mussten noch eine Sitzung am nächsten Tag anschließen, bis das Vorhaben auf den Weg gebracht werden konnte. Wir – die Betroffenen, die Ideengeber und – ich will nicht unbescheiden sein – auch ich persönlich – mussten viel Überzeugungsarbeit leisten, stand doch die Finanzierung über den Tag hinaus an. Wir waren aber von diesem Vorhaben sehr überzeugt. Und letztendlich hat sich der Einsatz, wie man heute sieht, gelohnt! Ich denke aber auch an die etlichen Treffen, die dann anschließend noch notwendig waren. Wenn ich allein an die Erstellung der Vereinssatzung denke – eine zunächst nicht sehr einvernehmliche Diskussion. Mehrmals haben wir darüber sprechen müssen und dann am Ende – ich meine – eine sehr gute Lösung gefunden. Nicht zuletzt denke ich an die vielen Begegnungen, die ich selbst nach Beendigung meiner Amtszeit noch mit dem ZSL haben durfte. Dabei konnte ich die gedeihliche Entwicklung miterleben. Ich konnte bewundern, mit welchem Mut immer wieder auch weit reichende Entscheidungen getroffen wurden, z.B. der Erwerb der Immobilie, wie das Zentrum durch seine engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weit über die Grenzen Erlangens hinaus gewirkt hat und noch wirkt. Haben Sie, die Sie bis heute Verantwortung tragen, meinen herzlichen Dank und haben Sie alle miteinander eine gute Zukunft. Ich wünsche Ihnen die nötige Kraft, die Gesundheit und stets die mutige Zuversicht, das Zentrum auf dem guten Weg zu halten. * Grußwort “Die Zusammenarbeit war von Beginn an partnerschaftlich” 20 Jahre ZSL- Grußwort des Behindertenbeauftragten der Stadt Erlangen Thomas Grützner Das Erlanger ZSL feiert in diesem Jahr seinen 20. Geburtstag. Zu den Ergebnissen des stolzen Engagements gehören der Aufbau eines kompetenten Beratungs- und Assistenzdienstes, die Gründung der ACCESS-Integrationsbegleitung und die Pflege der Erlanger Behindertenselbsthilfe. Mindestens ein Jahrzehnt an Vorbereitung war notwendig, um die Gedanken der Bürgerrechtsbewegung für behinderte Menschen, die in den Vereinigten Staaten ihren Anfang hatten, auch in Erlangen ankommen zu lassen. Behinderte Menschen erkannten, dass viele ihrer Probleme nicht auf sie selbst zurückzuführen waren, sondern dass gesellschaftliche Hindernisse und Hürden ihnen eine echte Integration schwer machten. Nur durch einen Zusammenschluss war es möglich, eine Beseitigung dieser Hürden in Gesetzen und Bestimmungen anzugehen. So begann in Erlangen die „Studentische Initiative Behinderter“ (StIB) und später das ZSL mit Selbstbewusstsein, Humor und langem Atem gegen Bordsteine und Almosendenken eine Überzeugungs- und Lobbyarbeit, die auf wohlwollende Unterstützung der Kommune traf. Die Zusammenarbeit des ZSL mit der Behindertenberatung der Stadt Erlangen war von Beginn an partnerschaftlich. Forderungen und Anregungen von Menschen mit jeglichem Handicap wurden gemeinsam angegangen, wie z.B. bei der Erarbeitung des Behindertenhilfeplans, bei der Herausgabe des Stadtführers und Wegweisers für Menschen mit einer Behinderung in Erlangen, die gemeinsame Suche nach barrierefreien Wohnungen in der Stadt und Forderungen nach Verbesserungen im Kommunalverkehr. Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Würde heute eine Bilanz für barrierefreie Städte in Deutschland aufgestellt, so wäre Erlangen ganz weit oben vertreten. Dies wäre ohne die wertvollen Hinweise, Vorschläge und Aktionen der Kolleginnen und Kollegen des ZSL nicht möglich gewesen, die auch immer wieder in der Erlanger Selbsthilfe und im Forum für behinderte Menschen wichtige Impulse geben. Ich gratuliere dem ZSL zu seinem zwanzigsten Jubiläumstag und wünsche allen Kolleginnen und Kollegen weiterhin eine erfolgreiche und engagierte Zusammenarbeit. Thomas Grützner Behindertenbeauftragter der Stadt Erlangen * Grußwort “Wichtige Erfolge für die barrierefreie Gestaltung” 20 Jahre ZSL- Grußwort des Behindertenbeauftragten Erlangen-Höchstadt Manfred Müller Hallo liebe Frau Radtke, Zum zwanzigjährigen Vereinsjubiläum des ZSL gratuliere ich Ihnen, liebe Frau Radtke und Ihren Kolleginnen und Kollegen recht herzlich. Den Beginn von ZSL habe ich schon als Mitarbeiter des Gesundheitsamtes miterlebt, ebenso auch Ihre vielen Aktivitäten und wichtigen Erfolge für die barrierefreie Gestaltung in der Stadt Erlangen. Als Beauftragter für Menschen mit Behinderung für den Landkreises Erlangen-Höchstadt freue ich mich auf immer häufigere Kontakte mit dem ZSL und lobe unsere bisher sehr gute Zusammenarbeit. Machen Sie alle so engagiert weiter, damit die Integration und Teilhabe von Menschen mit Behinderung bald selbstverständlich wird. Herzlichst Manfred Müller * Chronik des ZSL Erlangen 1977 Gründung der Studenteninitiative Behinderter (StiB) e.V. 1988 November: Gründungsversammlung des „Zentrum für Selbstbestimmtes Leben Behinderter e.V.“ (ZSL e.V.) in Erlangen. Die Realisierung eines selbstbestimmten Lebens behinderter Menschen soll schwerpunktmäßig durch Beratung und persönliche Assistenz erreicht werden. Es werden Verhandlungen mit Zuschussgebern aufgenommen. Unterstützung erfolgt durch die Stadt Erlangen, das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Soziales (BStmAS), das Arbeitsamt und die Hauptfürsorgestelle. 1989 Anstellung der ersten Mitarbeiter Dinah Radtke, Wolfgang Uhl, Heidi Fischer und Waltraud Joos. Anmietung der Büroräume in der Luitpoldstraße 42; Planung, Organisation und Durchführung des behindertengerechten Umbaus. Anerkennung des ZSL e.V. als Zivildienststelle. Aufbau der Assistenzorganisation beginnt mit einer Klientin. 1990 Einzug in die Büroräume Luitpoldstraße 42. September: Eröffnungsfeier des ZSL e.V. mit Bürgermeisterin Frau Niclas, ehem. Bürgermeisterin Frau Rechtenbacher, dem Leiter der Staatskanzlei Herr Dr. Vorndran und Ministerialdirigent Herr Dr. Dr. Hölzel aus dem BstMAS. Oktober: Auf Initiative des ZSL e.V. findet in Erlangen die Gründung der „Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V.“ (ISL) als Dachverband der deutschen Zentren für Selbstbestimmtes Leben statt. Dinah Radtke und Wolfgang Uhl werden in den Vorstand der ISL gewählt. 1991 Wahl von Dinah Radtke zur stellvertretenden Europa-Vorsitzenden des Behindertenweltverbandes „Disabled Peoples' International“ (DPI). 1992 Wegen der Vergrößerung des ZSL e.V. wird es notwendig, Büroräume in der Marquardsenstraße 21 anzumieten – die Assistenzorganisation zieht dort mit ihren MitarbeiterInnen ein. Mitarbeiter Holger Mangold wird zum Vorstand der neu gegründeten Bundesarbeitsgemeinschaft für Unterstützte Beschäftigung (BAGUB) gewählt. Anmietung der Büroräume in der Michael-Vogel-Straße 1b für ACCESS. 1993 Kauf der Räumlichkeiten in der Luitpoldstraße 42 mit Unterstützung der Bayerischen Landesstiftung. Das Projekt „Arbeitszentrum“ im ZSL e.V. wird im Rahmen des Programms HORIZON des Europäischen Sozialfonds gestartet. Mitarbeiter Karl-Heinz Miederer wird in den Landesvorstand des PARITÄTISCHEN in Bayern gewählt. Verleihung des Ehrenbriefs der Stadt Erlangen für soziale Verdienste an Dinah Radtke. 1994 Erarbeitung des Curriculums für die Peer Counceling Ausbildung der ISL unter Mitwirkung von Wolfgang Uhl und Dinah Radtke. 1995 Die Einführung der Pflegeversicherung stellt neue Herausforderungen an das Team der Assistenzorganisation im ZSL e.V. Das EU-Projekt ACCESS – Arbeit für Menschen mit Behinderung im ZSL e.V. wird begonnen. 1996 Strukturelle Veränderungen: Aufgrund der Größe des ZSL e.V. wird eine Bereichstrennung in die Arbeitsbereiche Assistenzorganisation, Beratungsstelle und dem Bereich Arbeit für Menschen mit Behinderung (ACCESS) vorgenommen. Die Umsetzung der Pflegeversicherung erfordert eine Ausweitung der Assistenzverwaltung. Die Assistenzorganisation zieht in die Luitpoldstraße 42, die Beratungsstelle in die Marquardsenstraße 21. Mitarbeiterin Birgit Waßmann wird in den Bezirksvorstand des PARITÄTISCHEN in Mittelfranken gewählt. Tagung der ISL e.V. „Selbsthilfe für ein selbstbestimmtes und gleichberechtigtes Leben - Erfahrungsaustausch der Selbsthilfeorganisationen im deutschsprachigen Raum“ in Zusammenarbeit mit dem ZSL e.V. in Erlangen. ZSL e.V. und ISL organisieren den Besuch einer 28-köpfigen Gruppe mit behinderten Menschen aus Japan, die sich über das deutsche Assistenzmodell informieren. 1997 Ausstellung „Gewalt in der Pflege“ im Rathaus-Foyer, organisiert vom ZSL e.V. Im Stadtrat wird der Beschluss gefasst, dass alle städtischen Gebäude barrierefrei sein müssen. Verleihung des Bayerischen Ehrenzeichens für besondere Verdienste von Frauen und Männern im Ehrenamt an Dinah Radtke. 1998 Gründung des ISL-Landesverbands Bayern im Dachverband der ISL auf Initiative des ZSL e.V.; Mitarbeiter Josef Meier wird in den Vorstand gewählt. Gründung des Integrationsfachdienstes „ACCESS - Arbeit für Menschen mit Behinderung gGmbH” mit den Gesellschaftern ZSL e.V. Erlangen, Freundeskreis Wichernhaus Altdorf e.V. und Gemeinsam Leben – Gemeinsam Lernen Nürnberger Land e.V. Ankauf des Erdgeschosses Luitpoldstraße 44 mit Unterstützung der Bayerischen Landesstiftung zur Erweiterung der Assistenzorganisation. Wahl von Dinah Radtke zur Vorsitzenden des DPI-Frauenkomitees. 1999 Einführung von Bereichsleitungen für die zwei Arbeitsbereiche Assistenzorganisation und Beratungsstelle. Umzug der Assistenzorganisation in die neuen Büroräume in der Luitpoldstr. 44. Umzug der Beratungsstelle von der Marquardsenstraße in die Luitpoldstraße 42. 2000 Dinah Radtke bekommt das Bundesverdienstkreuz für ihren Einsatz zur Verbesserung der Lebensbedingungen für behinderte Menschen verliehen. 2001 Start des Projektes „SeLeBe – Selbstbestimmt Leben mit Beatmung” im ZSL gefördert durch die Aktion Mensch. Forum „Behinderter Menschen in Erlangen”, ein Zusammenschluss der Behinderten- und Selbsthilfegruppen des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in Erlangen, wird gegründet. Das ZSL e.V. ist Gründungsmitglied. 2002 Stadt Erlangen tritt dem von der Aktion Mensch initiierten „Bündnis für eine barrierefreie Stadt” bei. Gründung des „Forum Assistenz“, ein Gesprächskreis für AssistenzkundInnen zum Erfahrungsaustausch. 10. Jahrestagung der „Arbeitsgemeinschaft Heimbeatmung und Respiratorentwöhnung” in Erlangen, die das ZSL e.V. in Zusammenarbeit mit der Neurologischen Klinik und der Poliklinik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg organisiert. Ausstellung anlässlich des 10-jährigen Bestehens des Arbeitskreises der Mitgliedsorganisationen des PARITÄTISCHEN in Erlangen im Rathausfoyer, die maßgeblich vom ZSL organisiert wurde. Ausstellung der Erlanger Frauengruppen „30 Jahre und kein bisschen leise” in der Erlanger Stadtbücherei, unter Beteiligung des ZSL. Podiumsdiskussion „Wie leben behinderte Frauen in Erlangen heute? - Ihre Wünsche und Ziele”. 2003 Das ZSL erhält vom Verein „Gesundheit und Medizin in Erlangen” den Preis für Medizin, Technik und Gesundheit. Mitarbeiter Axel Bauer wird der „Ehrenbrief für besondere Verdienste um das soziale Leben” überreicht. Vorstand des ZSL e.V. Jochen Kapelle erhält von der FDP den „Liberalen Preis 2003” für sein Engagement für das ZSL und den PARITÄTISCHEN. Das ZSL organisiert Ausstellung „Entwicklung ohne Ausgrenzung - Menschenrechte umsetzen - Menschen mit Behinderung einbeziehen - Menschen mit Behinderung bei allen entwicklungspolitischen Maßnahmen berücksichtigen!” im Erlanger Rathausfoyer im Rahmen des Europäischen Jahres der Menschen mit Behinderung. 2004 Auf Betreiben des ZSL schaffen die Erlanger Stadtwerke 25 mobile Faltrampen für Niederflurbusse an - damit haben alle Stadtbusse in Erlangen eine Rampe. Mit einer Veranstaltung und Busfahrerschulung auf dem Rathausplatz werden die mobilen Faltrampen öffentlich übergeben. Wahl von Dinah Radtke zur stellvertretenden Vorsitzenden des Weltverbandes DPI mit dem Zuständigkeitsbereich Menschenrechte. 2005 Geschäftsführer verschiedener niederländischer Behindertenorganisationen besuchen das ZSL um sich über dessen Arbeit zu informieren. Das ZSL erhält im Rahmen des Netzwerkes „Selbstbestimmt Leben für Menschen mit Behinderung in Erlangen“ den Sozialpreis der Bayerischen Landesstiftung. Ehemaliger Vorstand Karin Flock wird der „Ehrenbrief für besondere Verdienste um das soziale Leben” überreicht. 2006 Das ZSL organisiert die Ausstellung „Es ist an der Zeit… - Armutsbekämpfung ohne Ausgrenzung” in der Stadtbücherei Erlangen. Start des Projektes „Integration jetzt - Selbstbestimmt Leben mit Persönlichem Budget” im ZSL, gefördert durch die Aktion Mensch. Das ZSL organisiert das Treffen der Bundesarbeitsgemeinschaft „Persönliche Assistenz” 2007 Das ZSL startet gemeinsam mit der Stadt Erlangen die Kampagne „Eine Rampe für eine Stufe!” um mehr Geschäfte und Gastronomierbetriebe barrierefrei zugänglich zu machen. Wahl von Dinah Radtke in das Vorstandsgremium von DPI Europa. 2008 Die UN-Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderung tritt in Kraft. Neue Herausforderung: Bezirke übernehmen ambulante Eingliederungshilfe. ACCESS feiert sein zehntes Gründungsjahr. Das ZSL e.V. wird 20 Jahre alt. * Beitrag Ein Rückblick von Dinah Radtke Bereichsleitung Beratungsstelle ZSL e.V. Wie alles anfing... Eigentlich fing alles mit mir an, damit meine ich die Erlanger Behindertenbewegung. 1976 studierte ich Sprachen und brauchte dringend eine neue Wohnung, denn mein Zimmer war gekündigt worden. Meiner Freundin Sissi Uhl, die auch im Rollstuhl saß, und mir war es klar, dass wir in Erlangen nicht nur behindertengerechte Wohnungen, eine barrierefreie Uni und abgeflachte Gehsteige im Stadtgebiet brauchten, sondern viel mehr. Wir suchten Leute, die mit uns gemeinsam die Welt für Behinderte nutzbarer machen wollten. Wir wollten einen Verein gründen. Deswegen schrieben wir „Mit-mach-Zettel“, die ich dann hinter die Scheibenwischer von Autos steckte. Autos, bei denen ich mir sicher war, dass die Besitzer behinderte Studenten waren. So entstand 1977 die Behinderteninitiative StiB e.V., die Vorläuferorganisation des heutigen ZSL. Elf Jahre später gründeten wir dann das heutige ZSL. Das waren aufregende Zeiten damals. In der BRD gab es eine Krüppelbewegung. In Erlangen waren wir weit weg von den aufmüpfigen Behinderten. Doch ich identifizierte mich mit ihnen und war stolz darauf, ein Krüppel zu sein, nach dem Motto „Lieber Arm ab als arm dran“. Durch die 68er Studentenrevolte und durch die Frauenbewegung bekamen wir Behinderte mehr Selbstbewußtsein und forderten unsere Rechte ein. Wir wollten nicht länger bescheiden und dankbar sein und uns in Heime an den Stadtrand oder auf das Land abschieben lassen. Es war die Zeit der Straßendemos. Die ersten bundesweiten Krüppeltribunale fanden statt, auf denen Menschenrechtsverletzungen an behinderten Menschen im Sozialstaat angeprangert wurden. Franz Christoph, der Revoluzzer unter den Krüppeln, gab dem damaligen Bundespräsidenten Carstens eine Ohrfeige bei der Eröffnungsveranstaltung zum UNO Jahr der Behinderten, das muss 1980 gewesen sein. Die Sicherheitsleute und die Polizei griffen nicht ein, die Scheu vor einem Behinderten war zu groß. Es machte Franz Christoph nur noch wütender, dass er nicht verhaftet wurde und ins Gefängnis kam. Wegen dieser Diskriminierung wollte er sogar in die Niederlande auswandern. Ich selbst begann die ersten Gesprächskreise für behinderte Frauen zu organisieren, um mit anderen behinderten Frauen unsere doppelte Diskriminierung zu diskutieren und sie öffentlich zu machen. Der heute vollzogene Paradigmenwechsel wurde damals schon gefordert, weg von der medizinischen Sichtweise von Behinderung (das Individuum muss sich anstrengen und sich trotz seiner behinderungsbedingter Defizite an die gesellschaftlichen Bedingungen anpassen). Nein, wir forderten den sozialpolitischen Blick auf Behinderung. Die Gesellschaft muss sich an die Vielzahl von Fähigkeiten ihrer Mitglieder anpassen. Wir haben keine Defizite, wir haben Fähigkeiten und Möglichkeiten. Vielfalt ist gut, Anderssein ist schön. Mitte der 80er entwickelten wir dann in der StiB das Vorläufermodell der heutigen persönlichen Assistenz. Wir hatten gehört, dass Zivildienstleistende Behinderte mit hoher Querschnittslähmung zu Hause unterstützten, selbst nach deren Entlassung aus der Reha-Klinik. Das wollten wir auch in Erlangen realisieren. Die Caritas war bereit, uns den Rahmen dafür zur Verfügung zu stellen. Vier behinderte Frauen und Männer hatten zusammen sechs Zivildienstleistende, die bei der Caritas angestellt waren. Die vier organisierten die Dienstpläne, Urlaubs- und Krankheitsvertretungen. So konnten sie sich aus der großen Abhängigkeit von Familienangehörigen und FreundInnen lösen und ein selbstbestimmtes Leben beginnen. 23 Beitrag Dieses Assistenzmodell war so erfolgreich, dass die StiB viele Beratungsanfragen von Behinderten bekam, die auch unabhängiger leben wollten. Das war ehrenamtlich nicht mehr zu schaffen. So entstand die Idee, eine Organisation zu gründen, die behinderte Menschen umfassend berät, unterstützt und über ihre Rechte informiert. Gleichzeitig sollte die Dienstleistung angeboten werden, persönliche Assistenz zu organisieren und das Personal dafür zur Verfügung zu stellen. Wir wollten die Lebensbedingungen behinderter Frauen und Männer nachhaltig verbessern, auch durch politische Öffentlichkeitsarbeit. Ein Ziel war auch, hauptamtlich behinderte Menschen zu beschäftigen. Behinderte ExpertInnen sollten andere Behinderte beraten (Methode des Peer Counseling). Ein großes Problem war, wer in dem neuen Verein berechtigt sein sollte abzustimmen. Behinderte und nichtbehinderte Menschen gleichberechtigt oder doch nur Behinderte. Es gab große Auseinandersetzungen um das Stimmrecht. Die einen wollten ihre nichtbehinderten Freundinnen und Freunde nicht ausgrenzen, die anderen wollten einen Bereich, in dem sie selbst bestimmen konnten, was geschehen soll. Aus den Erfahrungen in der StiB wussten wir, wie es ablaufen kann. Wie leicht aus Hilfsbereitschaft ungewollt Bevormundung werden kann. Wenn z.B. ein Brief verfasst werden soll und Nichtbehinderte anbieten, dies zu übernehmen, weil das schneller geht, wird leicht vergessen, dass ja nicht nur getippt werden muss, sondern der Brief muss auch formuliert werden. Diese Fertigkeit kann geübt werden, aber nur, wenn man nicht alles abgibt. Wir konnten uns schließlich darauf einigen, dass in unserem neuen Verein nur Frauen und Männer mit Behinderung abstimmen können. Diesen Bereich wollten wir für uns, denn unser Leben wird maßgeblich von den Normen und Gesetzen der größtenteils nichtbehinderten Gesellschaft bestimmt. Etwa zeitgleich entstanden in den USA die „Centers for Independent Living“. Auch in Finnland und in Großbritannien gab es eine ähnliche Bewegung. Doch wir wollten etwas Eigenes schaffen. In Deutschland gab es erst vier ZSLs vor dem in Erlangen. das waren die Zentren in Bremen, Hamburg, Köln und Kassel. Heute gibt es in Deutschland dreißig Zentren. Der Dachverband, die „Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V. hatte 1990 seine Gründungssitzung in Erlangen und auch in den ersten Jahren hier seinen Geschäftssitz. Wir können mit Stolz sagen, dass die „Selbstbestimmt Leben Bewegung“ eine sehr erfolgreiche Bewegung ist und wir vom Erlanger ZSL viel dazu beigetragen haben. Dinah Radtke im Juli 2008 * Beitrag von Birgit Wasmann, Bereichsleitung Assistenzorganisation ZSL e.V. Die Arbeit der Assistenzorganisation - Was ist persönliche Assistenz? Persönliche Assistenz ermöglicht behinderten Menschen: •ein eigenständiges Leben im selbstgewählten Wohnumfeld zu führen •das Leben nach eigenen Vorstellungen zu gestalten •unabhängig von stationären Hilfen oder der Versorgung durch Familienangehörige zu sein Die besondere Qualität der Persönlichen Assistenz besteht darin, dass •die Organisation der persönlichen Hilfen vom Kunden weitgehend eigenverantwortlich übernommen wird •die Kunden das Assistenzpersonal selbst auswählen und anleiten •die Kunden selber entscheiden, welche Aufgaben wie erbracht werden Die Assistenzorganisation des ZSL ist ein besonderer ambulanter Dienst, der persönliche Assistenz für behinderte Menschen in Erlangen anbietet und sie bei der Organisation der Hilfen unterstützt. Unser Leistungsangebot in der Persönlichen Assistenz umfasst: •Persönliche Hygiene (z.B. Körper- und Intimpflege, An- und Ausziehen, Hilfen beim Toilettengang) •Haushalt und Ernährung (z.B. Einkaufen, Kochen, Essenreichen, Putzen, Wäsche waschen, Bügeln) •Arbeit und Freizeit (z.B. Hilfen beim Studium und Unterstützung am Arbeitsplatz, Begleitung bei Freizeit- und anderen Aktivitäten, Vorlesen, Bedienen des Computers, Unterstützung bei der Kommunikation) •besondere persönliche Hilfen (Häusliche Beatmung, Nachtbereitschaften) •Hilfen für Menschen mit einer geistigen Behinderung oder Lernbehinderung (z.B. Unterstützung bei der Tagesstrukturierung, beim Aufbau sozialer Kontakte, bei der Freizeitgestaltung, im Umgang mit Ämtern und Behörden) Das Angebot der Persönlichen Assistenz steht behinderten Frauen und Männern zur Verfügung, die auf Hilfe angewiesen sind. Unabhängig vom Grad der Behinderung werden Hilfen bei alltäglichen Verrichtungen im Zeitumfang bis zu 24 Stunden täglich erbracht. Die Auswahl der Hilfen richtet sich nach den Wünschen und Bedürfnissen der Kundschaft. In der persönlichen Assistenz werden vorrangig angelernte Kräfte eingesetzt, da der Kunde selbst Experte für die eigene Lebenssituation und die eigenen Bedürfnisse ist. Für besondere Aufgaben und bei Bedarf werden Pflege- oder Pädagogische Fachkräfte eingesetzt. Grundlage der persönlichen Assistenz ist der ganzheitliche Ansatz, das heißt, das alle während des Einsatzes anfallenden Arbeiten (Pflege, Haushalt, Mobilität und allgemeine persönliche Hilfen) von der Assistenzkraft verrichtet werden und nicht nach Fachbereichen getrennt wird. Wie werden die Hilfen organisiert? Die MitarbeiterInnen des Assistenzdienstes informieren, beraten und unterstützen die Kunden bei der Organisation ihrer persönlichen Assistenz. Den KundInnen steht eine persönliche Ansprechpartnerin (Assistenzbegleitung) innerhalb der Organisation zur Verfügung, die die Kunden unterstützt bei : •der Ermittlung des persönlichen Hilfebedarfs •der Umsetzung und Gestaltung der persönlichen Assistenz •der Personalsuche und -auswahl •der Dienstplangestaltung, der Urlaubs- und Krankheitsvertretung •Konflikt- und Krisensituationen •pflegerischen Fragen •der Schulung und Anleitung von Assistenzkräften Charakteristisch für unsere Arbeit ist das Dreieck der Interaktion zwischen KundIn, AssistentInnen und Assistenzbegleitung, dabei sind zwei Prinzipien grundlegend : ? Die Teilung der Zuständigkeit und damit der Verantwortung für die Organisation der Assistenz zwischen Kundschaft und ZSL ? Die Wahlmöglichkeit bezüglich dieser Verantwortlichkeiten von Seiten der KundIn. Das vom Kunden ausgewählte Personal (Assistenzkräfte /AssistentIn) wird beim ZSL angestellt. Die Personalverwaltung und die Auszahlung der Löhne und Gehälter werden von der Assistenzorganisation ebenso übernommen wie die Abrechnung der erbrachten Leistungen mit den jeweiligen Kostenträgern. Assistenzbegleitungen im ZSL e.V.: Ute Streng – Pflegedienstleitung Anke Hoeveler – stellv. Pflegedienstleitung Annette Reiter – Dipl. Sozialpädagogin * Bericht Access Integrationsbegleitung - Arbeit fur Menschen mit Behinderung gGmbH Brücken bauen - um Chancen auf Beschäftigung zu eröffnen. Der Arbeitsmarkt ist die Perspektive. Der Mensch in der modernen Leistungsgesellschaft definiert sich über Arbeit. ACCESS unterstutzt Menschen mit Behinderung, den passenden Arbeitsplatz zu finden. Ihren Fähigkeiten entsprechend eingesetzt, sind Menschen mit Behinderung wertvolle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Unternehmen. Aufgeschlossene und verantwortungsbewusste Arbeitgeber in der Region ermoglichen Beschaftigung - ACCESS informiert und berät sie bei der Schaffung von Arbeitsplatzen. Der Fachdienst ACCESS erfullt den Auftrag aus der Satzung des ZSL, sich fur Menschen mit Behinderung in der Arbeitswelt zu engagieren. Die heutige gemeinnutzige GmbH hat sich ursprunglich aus dem "Arbeitszentrum" im ZSL entwickelt, das 1993 mit drei Mitarbeitern erstmals als Bereich im Verein entstanden war. Ende 1995 hat der Auszug in angemietete Raumlichkeiten stattgefunden. Mitte 1998 hat die Ausgliederung in eine eigenstandige GmbH stattgefunden. Mitgesellschafter sind seitdem " Gemeinsam Leben ¡V Gemeinsam Lernen, Verein zur Integration behinderter Menschen, Nurnberger Land e. V." und der "Freundeskreis des Wichernhauses Altdorf e. V.". Heute unterstutzt das Unternehmen die GGFA der Stadt Erlangen, das Arbeitsamt, das Integrationsamt und Reha-Trager bei der Erfullung ihrer Aufgaben, die Chancen von Menschen mit Behinderung bei der Beschaffung und dem Erhalt eines Arbeitsplatzes zu verbessern. Access ist einer der Gesellschafter des Integrationsfachdienstes in Nurnberg, mit sieben Werkstatten fur behinderte Menschen und acht Schulen besteht eine enge, schriftlich vereinbarte Zusammenarbeit. Besonderes Merkmal des Fachdienstes ist, dass zahlreiche Angestellte von ACCESS selbst schwerbehindert sind. Insgesamt beschaftigt die Firma heute 17 angestellte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Im Beirat und Kuratorium engagieren sich 32 namhafte Personlichkeiten aus dem offentlichen Leben fur die Belange der Arbeitnehmer und Arbeitssuchenden mit Behinderung. Mittlerweile hat das Unternehmen weit uber die Region hinaus einen exzellenten Ruf fur die fachliche Qualitat seiner Dienstleistung. Es ist gelungen, erfolgreich neue Wege in der Integrationsbegleitung zu gehen. ACCESS bereichert die berufliche Eingliederung behinderter Menschen durch. Angebote fur Arbeitgeber: Beratung uber Beschaftigungsmoglichkeiten von Arbeitnehmern mit Behinderung Aufklarung uber Fordermoglichkeiten Unterstutzung bei der Errichtung von Praktikums- und Arbeitsplatzen oder deren Anpassung Kundenorientierte Dienstleistung fur Menschen mit Behinderung: individuelle Beratung und Unterstutzung Starkung der Fahigkeit und der Moglichkeiten unserer Kunden, uber ihr Leben selbst zu bestimmen und es selbst zu gestalten konsequente Beteiligung behinderter Menschen am Prozess der Integration betriebs- und wohnortnahe Integration Unterstutzung bereits im Ubergang von der Schule in den Beruf Kontaktdaten: Access Integrationsbegleitung gGmbH, Michael-Vogel-Str. 1c, 91052 Erlangen Telefon: 09131 897444 - Telefax: 09131 897449 E-Mail: arbeit@access-ifd.de Internet: http://www.access-ifd.de * Bericht von ZSL Jena Eine Städtepartnerschaft mit Folgen Als im Jahre 1987 die Städtepartnerschaft zwischen Jena und Erlangen geschlossen wurde, erntete dieser Schritt bei vielen Bürgerinnen und Bürgern Jenas hauptsächlich Kopfschütteln. Lag doch Erlangen hinter dem Eisernen Vorhang und nur eine handverlesene Schar von Jenaern konnte den ersten Freundschaftsbesuch antreten. Als im Spätherbst des Jahres 1990 eine Gruppe behinderter Menschen im Rahmen der Städtepartnerschaft zur Ausstellung „Gemeinsame Wege“ nach Erlangen fuhr, mussten diese nicht von Funktionären ausgewählt werden, sondern der eigene Entschluss, ihre Interessen selbst zu vertreten, reichte völlig aus. Nach der Wende 1989 hat die Gruppe behinderter Frauen und Männer verschiedene Verbandsvarianten ausprobiert, um einen Behindertenverband zu gründen. Aber erst das Kennen- lernen des Zentrums für selbstbestimmtes Leben in Erlangen gab den entscheidenden Anstoß. In Erlangen lernten wir mit Heidi Fischer, Dinah Radtke und Wolfgang Uhl Menschen kennen, die Selbstbestimmung für uns erlebbar und nachvollziehbar werden ließen. Auf der legendären Rückfahrt von Erlangen fassten die Jenaer den Entschluss, auch ein Zentrum für selbstbestimmtes Leben zu gründen. Dietmar Kieß und Tilo Bösemann waren die Männer der Stunde, die jetzt den Entschluss in die Tat umsetzten. In den Wendezeiten wurden viele Strukturen aus dem Westen einfach in der ehemaligen DDR nachgebaut, mit unterschiedlichem Erfolg, viele Menschen fühlten sich dabei auch nicht besonders wohl. Ganz anders waren unsere Erfahrungen mit dem ZSL Erlangen. Hier wurde nicht gesagt, so wie wir es gemacht haben, müsst ihr es auch tun, wir lernten ein Vorbild kennen, dem es nachzueifern lohnte, das aber für die eigenen Belange genügend Raum ließ. Für uns war bei der Gründung des Zentrums für selbstbestimmtes Leben wichtig, dass behinderte Menschen sich nicht durch Nichtbehinderte vertreten lassen, dass sie selbst entscheiden können, welche Angebote sie brauchen und diese dann auch entwickeln. Wolfgang Uhl war der Macher, der uns zeigte, wie man Anträge stellen muss, wie mit Behörden zu verhandeln war und wie man auch in schwierigen Verhandlungssituationen seine Interessen vertreten und behaupten kann. Dinah Radtke gab uns die Vision, dass es viel Kraft und Freude braucht, um anspruchsvolle Ziele zu verfolgen. Dass das Zentrum für selbstbestimmtes Leben in Jena bereits im Februar 1991 gegründet werden konnte und im Sommer des gleichen Jahres die Beratungsstelle für Behinderte eröffnet wurde, hat viel mit dem wichtigen Vorbild und Beispiel unserer Erlanger Freundinnen und Freunde zu tun. Beratung nach dem Prinzip des Peer Counseling, Persönliche Assistenz, barrierefreie öffentliche Nachverkehrsmittel waren und sind uns besonders wichtig. Wir waren gerade in diesen ersten Jahren oft in Erlangen, haben über Schwierigkeiten diskutiert, an Zukunftsvorstellungen gebaut und Ziele gemeinsam umgesetzt. Wir sind fest überzeugt, dass die deutsche Einheit glücklicher verlaufen wäre, wenn es mehr solche Mentoren gegeben hätte, die den Ostdeutschen nicht ihr Bild von der Welt übergestülpt hätten, sondern so genau zugehört hätten wie die Kolleginnen und Kollegen vom Zentrum für selbstbestimmtes Leben, denn zu einem gemeinsamen Ziel muss jeder seinen eigenen Weg finden. von Barbara Vieweg * Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V. - ISL “Wie eine Bundesgeschäftsstelle nach Erlangen kommt” Bundesverbände hatten ihren Sitz früher in Bonn und heute meist in Berlin, wie kommt es aber, dass ein Bundesverband in die Weltstadt Erlangen zieht? Die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben gründete sich 1990 und suchte dann auch ein Büro, woher nehmen? Dafür braucht es Männer und Frauen, die keine Angst vor großen Tieren und noch größeren Problemen haben, sondern eine Vision verwirklichen wollen. In Erlangen gab es solche Power Frauen und Männer, die ihre Ideen und ihre Kraft in den Dienst des Bundesverbandes stellten. Die ISL ist immer dort, wo behinderte Menschen selbst für sich eintreten, ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen. In den Jahren von 1991 bis 1996 war der Vereinssitz und die Bundesgeschäftsstelle in Erlangen, von hier aus wurde die bundesweite Lobbyarbeit koordiniert. Auch als 1997 Kassel das Zentrum der ISL wurde, wehte der Geist von Erlangen durch unsere Verbandsarbeit. Die erste Peer Counseling Ausbildung, wurde von Wolfgang Uhl, Dinah Radtke und Tobias Reinarz (Köln) organisiert. Peer Counseling ist das Herzstück des Selbstbestimmten Lebens behinderter Menschen. Das Zentrum für Selbstbestimmtes Leben in Erlangen ist nicht nur eine der ältesten und erfolgreichsten Mitgliedsorganisationen der ISL, sondern und dies ist eigentlich noch wichtiger - eine der aktivsten, innovativsten und verlässlichsten. Immer wieder gehen wichtige Impulse vom ZSL Erlangen für die gesamte ISL aus. Dazu gehören die Persönliche Assistenz, der Einsatz für umfassende Barrierefreiheit, die europäische und internationale Behindertenpolitik und auch jede Menge Empowerment, also die Kraft immer wieder anzufangen, nicht aufzugeben, sich Ziele zustellen und dabei auch genügend Freude und Spaß zu haben. * Verein - Die Beratungsstelle stellt sich vor Das Angebot Die Beratungsstelle setzt sich für die Gleichberechtigung, Chancengleichheit und Selbstbestimmung aller Menschen mit Behinderung ein. Bei allen Fragen und Problemen können sich Betroffene und deren Angehörige an die Beratungsstelle wenden. Die MitarbeiterInnen sind selbst behindert und beraten umfassend und kompetent als ExpertInnen in eigener Sache nach dem Prinzip des Peer-Counseling. Das Team Unser Team besteht aus 7 behinderten BeraterInnen in Teilzeit (insgesamt 3,4 Vollzeitstellen), einen innerbetrieblichen Helfer und eine Arbeitsassistentin. Darstellung der Beratungsarbeit Im Jahr 2007 haben sich 249 Ratsuchende an die Beratungsstelle gewandt. Die mit 51 % größte Gruppe bilden dabei körperbehinderte Menschen. Es wenden sich aber auch Menschen mit einer chronischen Krankheit, mit einer psychischen Erkrankung und einer Sinnesbehinderung an uns. Wir beraten auch Menschen mit Lernschwierigkeiten (sog. geistiger Behinderung). Mehrheitlich kamen die KlientInnen aus der Stadt Erlangen. Während die Anzahl der KlientInnen aus dem Landkreis Erlangen-Höchstadt im Vergleich zum Vorjahr etwa gleich blieb, ist ein deutlicher Zuwachs bei Beratungsanfragen aus dem gesamten Bezirk Mittelfranken um nahezu 100% zu verzeichnen. In der Regel erreichen uns Anfragen über das Telefon. Hier geben wir schon viele Tipps und Informationen. Bei Bedarf schicken wir Unterlagen auch per Post zu. Oft stellt sich jedoch heraus, dass ein persönliches Gespräch notwendig wird. Dies findet in der Regel in den Räumen der Beratungsstelle statt. Wenn es den KlientInnen auf Grund ihrer Behinderung nicht möglich ist, zu uns zu kommen, bieten wir auch Hausbesuche an. In vielen Fällen bleibt es nicht bei einem Beratungsgespräch, sondern es entwickelt sich eine intensivere Begleitung über einen längeren Zeitraum, manchmal sogar über Jahre hinweg. Mit Hilfe der Beratung soll der Ratsuchende dazu befähigt werden, sein Leben selbstbestimmt zu gestalten. In der Praxis stellen wir immer wieder fest, dass es durch den Beratungsansatz des Peer Counseling für Menschen mit Behinderung leichter ist, über ihre Probleme zu sprechen und schneller ein Vertrauensverhältnis entsteht. Die Themen der Beratung sind sehr vielfältig. Der Grund für den Erstkontakt liegt sehr häufig bei sozialrechtlichen Fragestellungen. Aber im Laufe des Gespräches wird meistens deutlich, dass es um viel mehr geht. Die Menschen mit Behinderung fragen sich, wie sie ihren täglichen Hilfebedarf organisieren können, wie sie ihre Wohnsituation verbessern können oder welche Hilfsmittel für sie in Frage kommen. Es dreht sich auch immer wieder darum, wie jemand besser mit seiner Behinderung umgehen kann. Grundsätzlich ist jede Beratung ganz individuell. Wir stellen uns flexibel auf die konkrete Lebenssituation und die verschiedenen Formen der Behinderungen, sowie die damit verbundenen Einschränkungen ein. Gesamtzahl der Beratungsklienten 2007: 249 Pro Klient/in investieren wir pro Jahr durchschnittlich 10 Stunden für alle Formen der Unterstützung, sei es persönlich, telefonisch oder schriftlich. Das bedeutet, dass mindestens die Hälfte unserer Arbeitszeit für Beratungen verwendet wird. Die Verwaltungsarbeit umfasst ca. 20 % der Arbeitszeit. Es hat sich gezeigt, dass dieser Bereich immer mehr Zeit in Anspruch nimmt. Darunter fällt vor allem die Sicherstellung der Finanzierung der Beratungsstelle mit Beantragung und Abwicklung von Projekten und Nachweis über die Verwendung der Mittel. Die verbleibenden 30 % verwenden wir auf die Öffentlichkeitsarbeit. Hier versuchen wir, die Lebensbedingungen für Menschen mit Behinderung in der Stadt Erlangen und Umgebung zu verbessern. Wir engagieren uns in den verschiedensten regionalen Arbeitskreisen. Wir stellen bei Gruppen von Krankenpflege-SchülerInnen, HeilerzieherInnen und PhysiotherapeutInnen regelmäßig unsere Arbeit vor. Darüber hinaus leisten die MitarbeiterInnen vieles im Ehrenamt. Auch die gesamte Vereinsarbeit findet ehrenamtlich statt. Die Projekte Als Ergänzung der allgemeinen Beratungsarbeit hat die Beratungsstelle zwei Projekte, die spezielle Beratungsthemen abdecken. Dank der Förderung von Aktion Mensch konnten wir im Januar 2006 das neue Projekt "Integration jetzt! - Selbstbestimmt Leben mit Persönlichem Budget" starten. Das Angebot ist auf die Region Mittelfranken ausgerichtet, weil der Bezirk Mittelfranken zu den 14 Modellregionen bei der Erprobung des Persönlichen Budgets gehört. Mit dem Projekt hatten wir die Möglichkeit, eine weitere behinderte Mitarbeiterin als Verwaltungsfachkraft einzustellen. Das zweite Projekt "SeleBe- Selbstbestimmt Leben mit Beatmung" ist ein weiterer wichtiger Bestandteil unseres Angebots. Der Schwerpunkt liegt bei der Begleitung von beatmeten Menschen und ihren Angehörigen in der Region Mittelfranken, vereinzelt auch bundesweit. Seit die finanzielle Förderung des Projekts im Jahr 2005 ausgelaufen ist, stehen für die vielfältigen Aufgaben weniger Personalstunden zur Verfügung. Deswegen kann die Öffentlichkeitsarbeit nur noch in geringem Umfang fortgeführt werden, um die Qualität der Beratungsarbeit in diesem Bereich aufrechtzuerhalten. * Beitrag von Birgit Waßmann Die ZSL Assistenzorganisation ...mit jedem Kunden erfinden wir uns neu! Wenn ich gefragt werde, wo und was ich arbeite und ich erkläre, dass ich bei einem Verein arbeite, der persönliche Assistenz für behinderte Menschen organisiert, sind die Leute neugierig und interessiert. “Das klingt interessant”; “davon habe ich bereits gehört”.... Wir kommen dann ins Gespräch und ich erzähle, dass durch das Leben mit persönlicher Assistenz Menschen mit Behinderung und einem z.T. umfangreichen Hilfebedarf (z.B. Rund-umdie- Uhr) ermöglicht wird, selbstbestimmt im persönlichen, selbstgewählten Umfeld zu leben und was das bedeuten kann. Dieses “Lebensmodell” oder diese “Lebensform” ist nicht überall besonders bekannt, erfährt jedoch im Gespräch eine enorme Wertschätzung und Achtung. Möglicherweise wünschen sich viele, so leben zu können, wenn sie behindert oder auch aus anderen Gründen auf Hilfe angewiesen wären. Zur Zeit nehmen 37 behinderte Frauen und Männer mit unterschiedlich hohem Hilfebedarf Assistenzleistungen vom ZSL e.V. in Anspruch. Körperbehinderte Menschen, auch mit Beatmungsbedarf und häuslicher Krankenpflege wie auch Menschen mit geistiger Behinderung wird ein Leben in der eigenen Häuslichkeit ermöglicht. Unsere Hilfen sind persönlich und individuell; wir erfinden uns mit jedem Kunden neu, um das jeweils passende individuelle Hilfearrangement zu finden. So unterstützen wir aktuell einen 57 jährigen Mann, der vor einem Jahr durch einen Unfall querschnittsgelähmt wurde, ein Leben mit persönlicher Assistenz aufzubauen und zu organisieren. Welche Hilfen werden wann benötigt? Von wem sollen diese Hilfen erbracht werden? Wie kann der Tagesplan aussehen? usw. - Für jemanden, der aus der Klinik entlassen wurde und in sein neues Lebensumfeld einzieht, sind das viele Fragen und Aufgaben, die anfangs nicht allein zu bewältigen sind. Assistenzbegleitung, Freunde/Familie und BeraterInnen sind zur Unterstützung gefragt. Entscheidet sich ein behinderter Mensch für ein selbstbestimmtes Leben mit persönlicher Assistenz, entscheidet er sich gleichzeitig für ein Leben, in dem er viel Verantwortung für sich und auch für andere (z.B. die Assistenzkräfte) sowie auch eine Vielzahl von Aufgaben übernimmt. Das ZSL bietet bei der Organisation Unterstützung an, was für die KundInnen einerseits Entlastung bedeutet, andererseits auch eine Beschränkung der Selbstbestimmung. Wie und in welchem Umfang die Teilung der Aufgaben in Bezug auf die Organisation der Hilfen aussieht, hängt in der Regel von den KundInnen, ihrer persönlichen Situation und ihrer Entscheidung ab, ob sie über die ausreichenden Kompetenzen verfügen und/oder es ihnen wichtig ist, diese zu übernehmen und ihre Zeit dafür zu investieren. KundInnen, die sich für die weitgehend eigenständige Organisation der für sie notwendigen Hilfen entscheiden, managen einen kleinen Betrieb: Sie sind für alles Organisatorische (z.B. Dienstplanerstellung, Vertretungssuche bei Krankheit von AssistentInnen), Inhaltliche und die Anleitung und Leitung von Personal (z.B. Konflikt- oder Krisengespräche mit AssistentInnen) zuständig. Das bedeutet (z.B. bei einem Mitarbeiterstamm von 7 Leuten) einen großen Aufwand und erfordert ein hohes Maß an Verantwortung, ermöglicht aber einen hohen Grad an Selbstbestimmung. Für uns als Dienst ist dieses hohe Maß an Übernahme von Aufgaben durch den Kunden entlastend, wobei es enorm wichtig ist, dass die Aufgaben vom Kunden verlässlich und verantwortlich wahrgenommen werden und der Kunde rechtzeitig signalisiert, wenn er die Unterstützung der Assistenzbegleitung braucht. Je mehr Unterstützung bei der Organisation der Hilfen vom Kunden an das ZSL delegiert werden, desto enger ist der Kontakt zwischen Assistenzbegleitung und KundIn. Dies erfordert geregelte Absprachen bezüglich der Aufteilung: „Wer kümmert sich um was? Wer ist für was zuständig?“ sowie eine enge und partnerschaftliche Kooperation. Es ist hilfreich, in regelmäßigen Abständen miteinander zu reflektieren, ob die Aufgabenverteilung noch stimmig ist, oder neu “gemischt” werden soll. Möglicherweise ist es dem Kunden wichtig geworden, sich z.B. selber um die Dienstplangestaltung zu kümmern, was bisher die Assistenzbegleitung übernommen hat. Damit dies dann gut läuft, benötigt der Kunde die Informationen von der Assistenzbegleitung, worauf dabei alles zu achten ist. Eine Reflexion kann auch in umgekehrter Weise erfolgen, wenn ein Assistenznehmer merkt, dass ihn bestimmte Aufgaben überfordern oder überlasten. Ein offener Umgang mit den eigenen persönlichen Grenzen ist grundlegend für die Zusammenarbeit zwischen Kunde und Assistenzbegleitung. Es wird dann schwierig, wenn die mangelnden Kompetenzen oder auch die mangelnde Bereitschaft nicht reflektiert werden und die Folge ist, dass anstehende Aufgaben nicht erledigt und Verantwortungen nicht wahrgenommen werden können. Insgesamt haben wir einen komplexen und zuweilen schwierigen Balanceakt zwischen den Lebensinteressen der KundInnen und den Beschäftigungsinteressen der AssistentInnen zu bewältigen. Dies erfordert sehr viel Aufmerksamkeit, Reflexion und Kommunikation. Mir tut es gut, wenn Gesprächspartner der Lebensform mit persönlicher Assistenz Wertschätzung und Achtung entgegen bringen. Dabei wird mir auch immer wieder klar, dass dies nicht selbstverständlich ist, vielmehr bedeutet es für mich, dass Selbstbestimmung ein hohes Gut ist, das es tagtäglich zu beschützen und zu bewahren gilt. * 20 Jahre ZSL Assistenzorganisation - Wie geht es weiter? Wir alle - das ZSL als Verein, KundInnen als auch wir Mitarbeitende - stehen in diesem Jahr vor einer neuen Situation und Herausforderung: Die Zuständigkeit für die persönliche Assistenz geht von der Kommune an den Bezirk über. Mit Hilfe eines aktiven und konstruktiven Kontakts und Dialogs zwischen den Kunden, dem ZSL und der Stadtverwaltung/dem Sozialamt wurden in der Vergangenheit Hilfen bei Vorlage aller erforderlichen Dokumente schnell und flexibel bewilligt; ein kurzfristiger Mehrbedarf wurde in der Regel erkannt und bewilligt. Dies ermöglichte es KundInnen und ZSL auf die neue Situation zu reagieren und zu handeln. Diese offene und weitgehend unkomplizierte Kommunikation und Kooperation ist auch ein Ergebnis jahrelanger Verhandlungen und Gespräche; aber gewiss auch einer grundsätzlichen Haltung gegenüber behinderten Menschen und deren Recht auf ein selbstbestimmtes Leben mit persönlicher Assistenz. Die Persönliche Assistenz wird auch in Zukunft ein wichtiger Bestandteil im Leben von behinderten Menschen sein (müssen). Eine bedarfsgerechte Persönliche Assistenz sorgt dafür, dass Menschen mit Behinderung am Leben in der Gemeinschaft teilhaben können. Dass Erreichte muss nicht nur aufrecht erhalten werden, sondern die Hilfen sind zu verbessern /anzupassen, wo Verbesserungs-/Anpassungsbedarf besteht, und zu erweitern, wo Erweiterungsbedarf besteht. In der Bezirksverwaltung spricht man vom “Prozess der Harmonisierung”. Damit ist eine Vereinheitlichung der Hilfen gemeint: Wurden bisher die Anträge im Rahmen der Eingliederungshilfe von den einzelnen Kommunen und Landkreisen unterschiedlich bewilligt, soll dies nun nach entsprechenden Standards einheitlich praktiziert werden. Meine ersten Eindrücke und Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit den zuständigen Personen und SachbearbeiterInnen vom Bezirk zeigen, dass die Lebensform „Selbstbestimmt Leben mit persönlicher Assistenz” ein relativ neues Terrain für sie ist. Dass KundInnen sich selber um ihre Angelegenheiten wie Anträge usw. kümmern und dafür verantwortlich sind, ist im Moment noch “Neuland” beim Bezirk. Dass dies als ein Baustein von vielen zur Selbstbestimmung gehört und auch bleiben soll, erfordert womöglich einen langen Atem und einer Mitwirkung aller, die dafür einstehen. Birgit Waßmann - B. Waßmann arbeitet seit 1995 beim ZSL e.V. Erlangen und seit 2002 als Bereichsleitung der Assistenzorganisation - * Bericht - SeLeBe Selbstbestimmt Leben mit Beatmung Behinderte Menschen, deren Eigenatmung beeinträchtigt ist, haben ganz spezielle Bedürfnisse und Probleme. Vor 20 Jahren bedeutete das Angewiesensein auf maschinelle Beatmung meist die dauerhafte Unterbringung auf einer Intensivstation im Krankenhaus und einen frühen Tod. Medizin und Medizintechnik haben bereits große Fortschritte gemacht, und behinderte Menschen pochen zunehmend auf ihr Recht auf Selbstbestimmung. Aber das Wissen um Unterbeatmung und die Möglichkeiten der so genannten häuslichen Beatmung war nur einigen wenigen Betroffenen und „Spezialisten“ aus Medizin und Medizintechnik bekannt. Ziel des ZSL war von Anfang an, auch maschinell beatmeten Menschen ein selbstbestimmtes Leben zu Hause zu ermöglichen. Die Bedeutung des Bereichs Beatmung wird auch durch die Verankerung in der Vereinssatzung deutlich. Im Jahr 2000 konnte durch Fördermittel der Aktion Mensch das lange angedachte und vorbereitete Projekt SeLeBe (Selbstbestimmt Leben mit Beatmung) realisiert werden. Vorrangige Arbeitsbereiche waren Beratung, Aufklärung, die Weitergabe von Informationen und das Bilden von Netzwerken. Dies war nicht nur auf die Betroffenen selbst gerichtet, sondern auch auf deren Angehörige, auf Institutionen, Ärzte und Pflegedienste. Ein besonderer Augenmerk lag auf der Integration behinderter Kinder mit Beatmung in die Regelschule. Der Assistenzdienst des ZSL nahm bereits vor Projektbeginn beatmete KundInnen auf. Noch bevor sich einige größere Pflegedienste auf beatmete Menschen spezialisierten, konnten über den Bereich der Stadt Erlangen hinaus Pflegedienste für Beatmungspflege gewonnen werden. Sehr viele Betroffene wandten sich an SeLeBe, um Unterstützung bei der Durchsetzung einer adäquaten Assistenzfinanzierung zu erhalten. Hier waren oft große Hürden zu überwinden und langwierige Verhandlungen mit den Kostenträgern notwendig. Zentrumsmitbegründer Wolfgang Uhl war seit 1994 in der Arbeitsgemeinschaft Heimbeatmung und Respirationsentwöhnung aktiv. Nach seinem frühen Tod 1998 übernahm Dinah Radtke die Mitarbeit. So konnte den Belangen der Betroffenen über medizinische Themen hinaus Gehör verschafft werden. 2002 fand die Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft, maßgeblich mitgestaltet vom ZSL, in Erlangen statt. Das ZSL ist Herausgeber einer DVD zur „Froschatmung“, einer Atemtechnik, die es manchem maschinell beatmeten Menschen erlaubt, u.a. stärker zu husten oder sich kurzzeitig ohne Gerät mit Atemluft zu versorgen. Ein Projekt, das die Möglichkeiten der Froschatmung bekannter machen soll und Trainer ausbildet, soll zukünftig auch mit Hilfe der Aktion Mensch realisiert werden. Ein Zeichen für den Erfolg des Projekts SeLeBe ist, dass die Anfragen, sowohl von Betroffenen alsauch von „Profis“ aus dem gesamten Bundesgebiet kamen und kommen. SeLeBe hat sich zur Schnittstelle des in der Zwischenzeit sehr breit gefächerten Angebots zum Thema Beatmung entwickelt. Die Fördermittel für das Projekt sind leider versiegt, aber die Beratungsstelle des ZSL wird seine Kompetenz und seine Erfahrungen weiter dafür einsetzen, behinderte Menschen mit Beatmung dabei zu unterstützen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. * Beitrag - Ein Rückblick von Axel Bauer Ein Sprung ins kalte Wasser Unser Verein Zentrum für Selbstbestimmtes Leben wird heuer 20 Jahre alt – ein Grund zum Feiern! Sicher auch ein Grund, um sich den Weg, den wir gemeinsam gegangen sind, noch einmal anzuschauen. Ich freue mich daher, dass wir in dieser Jubiläumsschrift ganz verschiedene persönliche Ansichten aus diesen zwei Jahrzehnten lesen können. Wie kam ich vor 16 Jahren zum ZSL e.V.? Damals lebte ich in Nürnberg und habe an der Staatlichen Fachhochschule Sozialpädagogik studiert. Mit einer Studiengruppe habe ich einen Einrichtungsbesuch gemacht und ich war sehr beeindruckt, am meisten von den Menschen, die uns ihre Arbeit und ihre Ziele vorgestellt haben. Worte wie Selbstbestimmung und gleichberechtigte Teilhabe waren damals noch nicht in aller Munde. Für mich lag es nahe, mich für das Jahrespraktikum beim ZSL e.V zu bewerben. Als ich 1992/1993 mein Praktikum gemacht habe, gab es nur die Räume in der Luitpoldstraße 42. Dinah Radtke, Wolfgang Uhl und Karl-Heinz Miederer haben die meisten Beratungen durchgeführt. Theresia Adelfinger, Regina Spangle und Heidi Fischer haben die Assistenzen organisiert. Waltraud Joos war im Sekretariat und Klaus Miederer schon damals der Netzwerkspezialist. Von allen konnte ich während des Praktikums viel lernen. Besonders wichtig war das Selbstvertrauen, dass wir unsere Interessen am besten selbst vertreten können. Meine Diplomarbeit schrieb ich am Ende des Studiums darüber, wie auf Drängen der Behindertenorganisationen ein Benachteiligungsverbot für Menschen mit Behinderungen in die deutsche Verfassung aufgenommen wurde. Als der Bundestag im Juni 1994 darüber abgestimmt hat, waren auch viele vom ZSL Erlangen am Reichstag mit dabei. Nach dem Studium konnte ich Ende 1994 beim Dachverband Interessensvertretung Selbstbestimmt Leben (ISL) e.V. meine erste Stelle als Sozialpädagoge antreten. ISL wurde von den deutschen Zentren für Selbstbestimmtes Leben in Erlangen gegründet und hatte die Bundesgeschäftsstelle anfangs in Erlangen mit Dinah Radtke und Wolfgang Uhl im Vorstand. Während ich in Erlangen viele organisatorische Aufgaben hatte, hat Ottmar Miles-Paul eine hervorragende Öffentlichkeitsarbeit von Kassel aus gemacht. Wichtige Erfahrungen konnte ich am Anfang meiner Arbeit bei der Peer Counseling-Ausbildung (Peer Counseling: Beratung von Betroffenen für Betroffene) machen, die auch heute noch von ISL angeboten wird. Viele Jahre kam mir die Arbeit oft wie ein Sprung ins kalte Wasser vor und wahrscheinlich geht es heute neuen Kollegen immer noch so. Ob man nun zum ersten mal als Referent auftritt, Anträge schreibt oder in der Beratung auf neue Probleme stößt, es gibt immer wieder Situationen, die einen herausfordern. Als ich 1993 zum Beispiel gefragt wurde, ob ich als Vorstand des ZSL kandidieren würde und mir zusammen mit Sigrid Wesche und Monika Merkel das Vertrauen ausgesprochen wurde, war dies eine Verantwortung, in die ich erst hineinwachsen musste. Aber ähnlich ging es den Gründern des ZSL 1988 wohl auch, denen es gelungen ist, aus einer ehrenamtlichen Studenteninitiative eine professionelle Beratungstelle und Assistenzorganisation aufzubauen. Nach der Vereinsgründung mussten Sie politische Überzeugungsarbeit leisten und Unterstützung finden, Zuschüsse beantragen, Räume mieten (die später erworben werden konnten) und umbauen und sich in die neuen Arbeitsfelder einarbeiten. In Deutschland hatte der Aufbau der Selbstbestimmt-Leben-Bewegung erst begonnen. Nur zwei Jahre vor Erlangen wurde 1986 das erste deutsche ZSL in Bremen gegründet. Nachdem ich zwei Jahre bei ISL gearbeitet hatte, konnte ich 1996 in die Beratungsstelle des ZSL wechseln. Dinah Radtke, Wolfgang Uhl und ich bezogen in der Maquardsenstraße 21 neue Räume. In dieser Zeit konnte ich vor allem von Wolfgang viel sozialrechtliche und behindertenpolitische Praxis lernen. Wolfgang stand für Solidarität und war für viele ein Fels in der Brandung. Es war ein Schock für alle ZSLer, als Wolfgang 1998 plötzlich starb, und so jährte sich sein Todestag in diesem Jahr zum zehnten Mal. Heute hat das ZSL mit der Beratungsstelle in der Luitpoldstraße 42 und der Assistenzorganisation in der Luitpoldstraße 44 nicht nur eine beachtliche Größe und Mitarbeiterstärke erreicht, sondern ist eine weithin bekannte und anerkannte Institution. Wie die Zukunft des ZSL aussieht, hängt nun sehr davon ab, inwieweit es uns gelingt, für unser Modell des selbstbestimmten Lebens die gleiche Unterstützung vom Bezirk zu erhalten, die wir von der Stadt Erlangen erfahren haben. Da ich Ende Oktober aus persönlichen Gründen meine Mitarbeit beim ZSL beenden werde, möchte ich dem ZSL weiterhin viel Erfolg und eine gute Arbeit für alle behinderten Menschen wünschen. Ich möchte mich für das Vertrauen in all den Jahren bedanken bei den Mitgliedern, Vorständen, Klientinnen und Klienten und bei meinen Kolleginnen und Kollegen. Mein Dank für eine lange und intensive gute Zusammenarbeit geht nicht nur an die Menschen im ZSL, sondern auch an die Kolleginnen und Kollegen von ISL e.V. und den Mitgliedsorganisationen, dem Forum behinderte Menschen in Erlangen, dem Paritätischen und seinen Mitgliedsorganisationen und der Stadt Erlangen, insbesondere dem Behindertenberater. Ich wünsche Ihnen allen viel Glück, Gesundheit und Freude bei Ihrer Arbeit! Euer/Ihr Axel Bauer * Beitrag - Integration jetzt! Selbstbestimmt Leben mit Persönlichem Budget So lautet der Titel unseres aktuellen Projekts in der Beratungsstelle. Nach langjähriger Erprobung in verschiedenen Modellregionen wurde der Anspruch auf das persönliche Budget zum 1.1.2008 Gesetz. Das persönliche Budget ist keine neue Leistung, sondern eine neue Form der Auszahlung, bei der Leistungen, auf die ein behinderter Mensch Anspruch hat, von verschiedenen Trägern als Budget direkt an den Betroffenem ausgezahlt werden. Dieser kauft sich dann die Leistungen bei den von ihm ausgewählten Anbietern selbst ein. Z. B. kann man statt mit dem Fahrdienst zu fahren, auch mit einer Privatperson in dessen PKW fahren und sich die Fahrt per Beleg bestätigen lassen. Das Persönliche Budget soll den Betroffenen mehr Selbstbestimmung ermöglichen und den bürokratischen Aufwand vereinfachen. Bereits 2006 konnte das ZSL, wiederum durch die Fördermittel der Aktion Mensch, das Projekt “Integration jetzt! - Selbstbestimmt Leben mit Persönlichem Budget“ starten. Neben der Beratung von Budgetinteressierten war und ist ein Schwerpunkt des Projekts, das noch bis Ende 2010 laufen soll, allen Beteiligten – Betroffenen, Kostenträgern und Anbietern – Informationen zu vermitteln, sowie bei der Gestaltung und Umsetzung des Budgets zu begleiten. Hier profitieren alle Beteiligten von der Kompetenz und Alltagserfahrung der BeraterInnen des ZSL. Die MitarbeiterInnen des Projekts werden häufig zu Informationsveranstaltungen eingeladen und halten Referate über das Persönlichen Budget. Ein vom ZSL organisierter Erfahrungsaustausch zwischen BudgetnehmerInnen und Budgetinteressierten stieß stets auf reges Interesse und findet nun regelmäßig zwei mal im Jahr statt. Auch hier ist es ein Zeichen des Erfolges, dass Anfragen aus dem gesamten Bundesgebiet kommen, im Lauf des letzten Jahres stark zugenommen haben und dass sich auch Institutionen, Anbieter und Leistungsträger mit ihren Fragen an die Beratungsstelle des ZSL wenden. Ebenso stehen wir immer wieder Forschungseinrichtungen und anderen Beratungsstellen Frage und Antwort. Ina Fischer * Beitrag von Theresia Adelfinger Warum mir das ZSL so wichtig ist! Ich wurde in einer Zeit geboren, in der man in Deutschland begann, die Sonderinstitutionen für behinderte Menschen massiv auszubauen und davon überzeugt war, Menschen mit Behinderungen müssen speziell gefördert werden und in Schonräumen aufwachsen. Da ich von Geburt an behindert bin, kam ich ganz früh mit dem System in Berührung, mit Krankenhäusern, mit Physiotherapie, mit der Meinung, nur Sonderschulen seien das Richtige für Menschen mit Behinderungen. 1970 wurde ich eingeschult, die Dorfschule wäre bereit gewesen, mich aufzunehmen, die Testungen bestand ich glücklicherweise gut, so dass einer integrativen Beschulung eigentlich nichts mehr im Wege stand. Doch die Schulbehörde legte ihr Veto ein und ich musste in die Sonderschule für Körperbehinderte und kam gleichzeitig in das dazugehörige Internat (wurde deswegen sogar ein Jahr zurückgestellt, obwohl ich „schulreif“ war, da kein Platz frei war). Mit knapp sieben Jahren versteht man das nur schwer, warum man von den Eltern getrennt wird. Ich blieb dann bis zum Abitur im Internat, was mir letztlich auch gut gefiel. Der Start ins Leben danach fiel mir allerdings schon schwer und ich hatte viele Ängste zu überwinden, die man uns auch eingeredet hat, was man alles nicht schafft. Nach 14 Jahren behütetem Leben im Internat zog ich in eine andere Stadt zum Studium und schaffte das auch. Durch das Studium (Diplom-Pädagogik) kam ich dann mit der „Integrationsbewegung“ in Berührung und las und hörte über „selbstbestimmtes Leben“. Viele ZSLs entstanden in dieser Zeit und gerade aufgrund meiner Vergangenheit interessierte mich das besonders. Schon im Studium kam ich mit dem ZSL in Erlangen in Verbindung und die Ziele überzeugten mich. Wir wollen an der Gesellschaft teilnehmen und Wahlmöglichkeiten haben, wo wir in die Schule gehen, wo wir leben und arbeiten wollen oder von wem wir Assistenz bekommen - und dies unabhängig von Experten, die wissen, was Menschen mit Behinderungen brauchen, denen ich mein ganzes Leben begegnet bin. Besonders überzeugte mich, dass sich behinderte Menschen selbst für ihre Rechte einsetzten und sich dafür engagieren. So bekam ich nach dem Studium Arbeit beim ZSL und bin seither „hängen“ geblieben, inzwischen ehrenamtlich im Vorstand. Das ZSL ist nach wie vor wichtig, um für die Rechte behinderter Menschen einzutreten, Beratung und Unterstützung und Assistenz anzubieten, ohne die ein selbstbestimmtes Leben nicht geht. Gerade dieser persönliche Bezug durch die eigenen Behinderung macht die Arbeit immer interessant und spannend, es ist kein „Job“, den man abends sofort beiseite legt – manchmal aber auch gerade dadurch schwierig. Theresia Adelfinger Vorstand ZSL * Beitrag von Heidi Fischer “ Die Arbeit beim Verein war eine wichtige Lehrzeit” Als junge Studentin kam ich nach Erlangen und nahm sehr bald Kontakt zu anderen Behinderten auf, die sich in der Studenteninitiative Behinderter e. V.(Stib) zusammengeschlossen hatten. Ich war auf diesen Kontakt angewiesen, denn ich musste mir mein Leben in einer fremden Stadt selbst organisieren. Hier bekam ich Unterstützung und Tipps von anderen Behinderten, die ihr Leben selbst in die Hand genommen hatten und bereit waren, ihr Wissen und ihre Energie auch für andere unentgeltlich einzusetzen. Die Stib hatte schon damals gute Kontakte zur Stadt- und Universitätsverwaltung aufgebaut und bereits einige fundamentale Veränderungen wie u. a. barrierefreien Zugang zu einigen Ämtern und Fakultäten durchgesetzt. Auch ich trat dem Verein bei, wobei ich gestehen muss, dass für mich, die ich eine ziemlich schüchterne junge Frau war, nicht die behindertenpolitische Arbeit die Triebfeder war, sondern ich merkte, dass mir der Kontakt zu diesen anderen gut tat, die selbstbewusst ihre Forderungen stellten und Visionen hatten – und tatsächlich Veränderungen für uns Behinderte schafften. Die Arbeit beim Verein war damals eine wichtige „Lehrzeit“ für mich. Sie hat mich geprägt und gestärkt, denn es hat mir gezeigt, dass schon wenige Menschen mit einem gemeinsamen Ziel viel zu bewegen vermögen. 1988 war die Zeit dafür reif, dass sich aus einer etwas ungeordneten Initiative, die immer noch alles ehrenamtlich leistete, eine Institution herausbildete, die im größeren Stil Dienstleistungen anbieten und politisch agieren konnte, und das mit bezahlten Arbeitsstellen. Das war die Geburtsstunde des ZSL e. V. Wolfgang Uhl, einer der maßgeblichen Mitbegründer – er starb 1998, aber viele werden ihn noch kennen, wollte mich von Anfang an mit im Team haben. Er hat mich gefördert - und seiner Überzeugungsgabe habe ich es zu verdanken, dass ich, nach anfänglichen Bedenken meinerseits, mit einstieg, denn ich hatte keine entsprechende soziale oder ähnliche Ausbildung, wie sie für solche Projekte sonst üblich ist. Wir waren jedoch ein Pionierprojekt, bei dem eine entsprechende Ausbildung natürlich von Vorteil war, aber eben auch, die persönliche Erfahrung, das Engagement, die eigene Betroffenheit und das Weiterlernen wollen von entscheidender Kraft waren, so wie sich auch das Bild des Peer Councelors beschreibt. Innerhalb der bestehenden 20 Jahre, habe ich die unterschiedlichsten Beziehungen oder Positionen zum ZSL innegehabt: abgesehen von meinen ersten fünf Jahren als hauptamtliche Mitarbeiterin im Assistenzbereich, bin ich auch selbst schon Klientin gewesen, Mitglied, gelegentliche ehrenamtliche Mitarbeiterin, wohlwollende Beobachterin aus der Ferne und seit 2006 nun eine der drei ehrenamtlichen Vorstände. Heidi Fischer Vorstand ZSL * Beitrag von Inge Drexler-Strunz Zum 20. ZSL Jubiläum „Mehr als nur ein Job“ Man stelle sich vor: morgens 07:50 Uhr im Frankenland. Frau schlürft Kaffee und nimmt die Erlanger Nachrichten zu Hand. Mit dreifachem „Tschüss“ machen sich Mann und Kids auf den Weg, noch’n Kaffee - jetzt ist die Zeit, wo a weng was geht. Frau legt die Füsse hoch und geniesst und liest, bis sie bei den Stellenanzeigen ist und laut staunt: „Wow, das glaub ich jetzt nicht, die meinen doch mich.“ “Gesucht: Frau bis „45“, bereit nachts und sonntags zu arbeiten, flexibel, mit Führerschein und gewillt in Urlaub zu begleiten. Ihr Bauch jubelt: „Ja da muss ich schnellstens hin, zumal ich erst „44“ bin !“ Nicht lange nachgedacht - einfach gemacht, sofort ungeniert mit dem ZSL telefoniert. Gleich persönlich bei Frau Adelfinger vorgestellt, wo Frau glücklich die Klientenadressen erhält und glaubt nicht richtig zu sehen, von Haus zu Haus muss sie um’s Eck nur gehen. Sofort Tags drauf macht sich Frau zum Klienten auf. Erster Blick, erstes Beschnuppern, erstes Besprechen genügt zu spüren, dass Wohlwollen in der Luft liegt. Schnell steht der Termin zum Probearbeiten fest, noch schneller, dass Frau sich zu einer Woche Urlaubsbegleitung eintragen lässt. Fortan assistiert sie beim täglichen und nächtlichen Alltagsgeschehen, begleitet in Urlaub, zum Arzt, zum Einkaufen, zum Kino und Theater gehen. Das Assistenten-Dasein eröffnet Frau eine neue Welt wird vielmehr als ein Job, bei dem das Geld nur zählt. Als Fußgänger hatte sie bis dato nur mit Fußgängern Kontakt, ohne jemals zu fragen, wie’s ein Rolli-Fahrer wohl packt. Inzwischen konnte Frau hinter einige Kulissen schauen und glaubte anfangs ihren Augen nicht zu trauen ! So viele schwere Schicksale werden mit soviel Kraft und Mut und Humor getragen, wie sollte sie da selbst ihr eigenes Sein nicht mit Lebenslust wagen! Dies ist alles nun eine ganze Weile her „45“ ist Frau schon lange nicht mehr. Nächsten Sommer bin ich 10 Jahre dabei und gestehe frank und frei, dass ich mich sehr darüber freu ! Inge Drexler-Strunz * Beitrag von Sylke Stricker Wie das ZSL mein Leben veränderte Als ich mich kurz nach der Wende in der DDR, d.h. im Januar 1990, entschloss, bei meinen Eltern auszuziehen und mein eigenes Leben aufzubauen, war es das ZSL, das mich dabei sehr unterstützte und mir sozusagen den Weg gewiesen hat. Auf meinen Reisen in den ”Westen” in den Jahren 1981-89 lernte ich viele behinderte Menschen kennen; wir besuchten uns gegenseitig und ich erlebte, wie sie mit Zivis (Assistenz gab es damals noch nicht) in ihren Wohnungen lebten. Diese Strukturen gab es in der DDR nicht. Entweder man hatte als pflegeabhängiger Mensch Angehörige, die die Pflege übernahmen oder man kam in ein Pflegeheim, das oft ein Altersheim war. Kurz nach der Wende wollte ich meinen Traum vom selbständigen Leben verwirklichen; der Ausdruck selbstbestimmtes Leben war mir damals noch nicht geläufig. Nachdem ich mich in verschiedenen Städten wegen rollstuhlgerechter Wohnung und Zivis erkundigt hatte und von dort immer abschlägige Antworten bekam (“...ach, bleiben Sie mal dort, wo sie herkommen, da geht es Ihnen doch gut und Sie werden sehen, dort wird es bald viel besser werden...!”), erfuhr ich per Zufall vom ZSL in Erlangen. Nach einem Anruf machte ich mich mit meinem Vater dorthin auf dem Weg. Kurz darauf saß ich erstmals Dinah Radtke und Wolfgang Uhl in der Luitpoldstr. 42 gegenüber. Das Büro befand sich gerade im Umbau, die Wände waren noch nicht verputzt, die elektrischen Türen noch nicht installiert. Ein Raum war notdürftig als Büro eingerichtet. Doch diese Äußerlichkeiten waren mir nicht wichtig, sondern dass ich hier erstmals Menschen traf, die bei meinem Anliegen nicht abwehrend die Hände hoben. Hier erfuhr ich erstmals Verständnis und sie zeigten mir die Schritte, die ich gehen musste, d.h., welche Anträge ich wo stellen musste und nannten mir Ansprechpartner. Auch der damalige Behindertenberater der Stadt Erlangen, Christoph Kögler hat mich sehr unterstützt. Zum Glück konnte ich meine Anträge und Behördenbriefe selbst formulieren, denn das musste man auch in der DDR können. So leitete ich alles in die Wege (und das war nicht wenig) und pendelte mehrere Monate ständig zwischen Erlangen und Leipzig hin und her. Natürlich ging nicht alles glatt, doch dank der Unterstützung durch das ZSL hatte ich es im September 1990 geschafft: Meine Zeugnisse waren anerkannt und ich hatte ein Appartement im Studentenwohnheim in der Erwin-Rommel-Straße ergattert. Dank des ZSL hatte ich auch drei Zivis und so stürzte ich mich im September 1990 in mein neues Leben. Anfangs lief alles ziemlich chaotisch und sowohl die Zivis als auch ich mussten einiges aushalten. Aber so nach und nach spielte sich alles ein. Natürlich hatte das ZSL damals noch nicht so viel Erfahrung, was die Organisation und auch Beratung für die Praxis der Assistenz anbelangt, und wir mussten hier selbst viel ausprobieren. Doch der bisher theoretische Begriff “Selbstbestimmt Leben mit Assistenz” wurde nach und nach mit praktischem Inhalt und Leben gefüllt. Nach ca. einem Jahr konnte ich mir nicht mehr vorstellen, zu meinen Eltern, mit denen ich mich nach wie vor sehr gut verstehe, zurückzukehren. Jetzt endlich konnte ich mein eigenes Leben nach meinen Wünschen und Bedürfnissen gestalten! So nach und nach ersetzte ich die Zivis, von denen sich immer weniger für die „Individuelle Schwerstbehindertenbetreuung“ (ISB) meldeten, durch AssistentInnen und lernte, diese immer besser zu organisieren. Natürlich bin ich 1990 auch Mitglied des ZSL geworden und habe versucht, mich so gut wie möglich einzubringen. Das ZSL war damals noch sehr basisdemokratisch organisiert. Wir trafen uns alle 14 Tage zur Mitgliederversammlung in der Luitpoldstr. 42, wo über die verschiedensten Angelegenheiten des Vereins diskutiert und abgestimmt wurde. 47 Beitrag Damals gab es noch keine Trennung zwischen Beratungsstelle und Assistenz. Allerdings waren die Diskussionen oft sehr zäh und Abstimmungen zum Teil unmöglich, da uns Mitgliedern meist das Hintergrundwissen fehlte. Bei einem gemeinsamen Frankreich-Urlaub von ZSL-Mitgliedern im Sommer 1990 in der Bretagne haben wir schließlich zusammengesessen und Strategien erarbeitet, wie wir unsere Mitgliederversammlungen attraktiver und straffer gestalten können. Damals sollte immer jeweils ein Mitglied sich zu einem Thema vorbereiten und es dann in kurzer Form den anderen vortragen. Daraus sollte sich dann eine Diskussion entwickeln. Doch die guten Vorsätze ließen sich nicht so recht verwirklichen und so wurde die Schar, die sich regelmäßig traf, immer kleiner. Die wachsende Größe und die wachsenden Aufgaben des ZSL waren einfach nicht mehr mit dieser basisdemokratischen Organisationsform zu vereinbaren. So entstanden die mehr oder weniger eigenständigen Bereiche “Beratung” und “Assistenz”, die jeweils unter den MitarbeiterInnen eigene Entscheidungen fällten. Auch ich zog mich ca. 1993 aus dem ZSL vorerst zurück, hatte ich mit mir und meinen Angelegenheiten genug zu tun, u.a. mit meinem Magister-Studium Pädagogik, das ich im November 1990 begonnen hatte. Erst im Frühjahr 1999 stieg ich mit einem 3monatigem Praktikum wieder aktiv beim ZSL ein und danach hatte ich eine ABM-Stelle in der Beratungsstelle. Seitdem arbeite ich in der Beratungsstelle und habe im Jahr 2000 noch meine Peer-Councelorin-Ausbildung absolviert. Ich schätze meine Arbeit sehr, kann ich mich doch hier mit all meinen Fähigkeiten voll einbringen! Die Arbeit ist vielfältig und interessant und man bekommt sofort Rückmeldung, ob man etwas bewirken konnte oder nicht. Es gibt mir viel Selbstbewußtsein, wenn ich etwas erreichen und bewirken kann, sowohl bei den vielen Menschen, die Beratung benötigen, als auch in der Öffentlichkeitsarbeit oder in der Vereinsarbeit. Hier kann ich mir selbst Aufgaben stellen und mir Herausforderungen suchen, die allerdings meist von selbst kommen! Ich bin zwar mehr ein Einzelkämpfer, aber ich schätze unser KollegInnen-Team sehr und bin froh, dass wir uns so gut verstehen und uns gegenseitig unterstützen. Ich weiß, dass sich jeder einzelne von uns für seine BeratungskundInnen sehr einsetzt und versucht, Bestmögliches herauszuholen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir uns mehr engagieren, als die Ratsuchenden selbst und das ist teilweise etwas ernüchternd. Trotzdem: Auch wenn es oft sehr stressig ist (bei welcher Arbeit gibt es das nicht?), möchte ich meine Arbeit nicht missen. Mit meinem Lieblingsspruch wünsche ich dem ZSL weiterhin eine erfolgreiche Arbeit, engagierte MitarbeiterInnen, interessierte Mitglieder, spendable Sponsoren und immer wieder den Mut, Neues zu wagen, Veränderungen zu erkämpfen - immer im Interesse behinderter Menschen! Gib mir den Mut, das zu ändern, was ich ändern kann; gib mir die Gelassenheit, das zu belassen, was ich nicht ändern kann und gib mir die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. * Was das ZSL in den letzten 20 Jahren erreicht hat... Gemeinsam mit der Stadt Erlangen und nachdem StiB den Weg bereitet hat: Barrierefreiheit im Stadtmuseum Behindertentoiletten u.a. am Bohlenplatz, im Bahnhof, beim Manhattan-Kino, in der Grande Galerie, in der Bogenpassage, im Rathaus, in der Buchhandlung Thalia, in der Theaterpassage Einrichtung von Behindertenparkplatzen umfassendes Netz abgeflachter Bordsteinkanten Barrierefreiheit im Freizeitzentrum Frankenhof: Rampe, Toilette, Parkplatze, Lifter Umkleidekabinen im Frankenhofbad Aufzug und Stellplatze fur RollstuhlfahrerInnen im Markgrafentheater Aufzug im Redoutensaal Aufzug und Behindertentoilette im E-Werk Ampel mit Blindensignal (Martin-Luther-Platz, Henkestrase, Luitpoldstrase) Kampagne .Eine Rampe fur eine Stufe¡§: Sensibilisierung fur die Bedurfnisse mobilitatsbehinderter KundInnen. Mehrere Geschaftsinhaber in der Innenstadt haben eine Rampe angeschafft. Lifter im Rothelheimbad Universitat Erlangen: Rampen, Aufzuge und Behindertentoiletten in den Fakultaten und im Kollegienhaus, behindertengerechte Appartements in Studentenwohnheimen Stadtratsbeschluss 1997: alle stadtischen Gebaude mussen barrierefrei sein. Zusammenarbeit mit der Stadt bei der Umsetzung u.a. Stadtbibliothek, Rathaus, Stadthalle, Freizeitzentrum Frankenhof Einrichtung elektrischer Turen im Haus Dreycedern behindertengerechte Wohnungen in Bruck, Buchenbach, Am Anger, Rothelheimpark Behindertentaxis in Erlangen Stadtfuhrer Erlangen fur behinderte Menschen Stadtbusse: Ausrustung der Niederflurbusse ohne integrierte Rampe mit mobiler Faltrampe. Dadurch sind seit 2004 alle Stadtbusse in Erlangen mit Rampen ausgestattet Verkehrsleitsystem fur blinde Menschen: Blindenampeln, Rillenplatten auf den Fuswegen Barrierefreiheit in Erlanger Badern Barrierefreie Mobilitat: Barrierefreie Busse auch im Landkreis Verbesserung im Reiseverkehr mit der DB: Barrierefreiheit auf Bahnhofen, Bahnsteigen und im Zug. Erweiterung des Services der DB, mit dem Ziel, dass behinderte Menschen uneingeschrankt Bahn fahren konnen, d.h. zu allen Zeiten und auf allen Bahnhofen Barrierefreiheit bei der S-Bahn Nurnberg- Forchheim Umsetzung von Barrierefreiheit in Gaststatten: Stufenloser Zugang, Behindertentoiletten, kontrastreiche Beschilderung Verbesserung der Bedingungen fur behinderte Menschen in den Krankenhausern (Universitatskliniken, Waldkrankenhaus) Barrierefreiheit im Gastehaus/Jugendherberge der Stadt Erlangen Einrichtung von mehr barrierefreien Zimmern in Hotels und Gastehausern mehr barrierefreie Wohnungen in und um Erlangen Barrierefreiheit in Regelschulen, zugangliche Klassenzimmer, Behindertentoiletten Umsetzung des Bundes- Behindertengleichstellungsgesetzes und des Bayerischen Behindertengleichstellungsgesetzes Barrierefreies Internet, d.h. auch fur blinde und sehbehinderte Menschen sowie fur lernbehinderte NutzerInnen Barrierefreiheit in Kultur- und Sportstatten, in Geschaften und Einkaufseinrichtungen Mehr offentliche barrierefreie Toiletten * Öffentlichkeitsarbeit Öffentlichkeitsarbeit ist ein wichtiges Arbeitsfeld für das ZSL. Ziel unserer Öffentlichkeitsarbeit ist es, die Lebensbedingungen behinderter Menschen in allen Bereichen zu verbessern. In zwanzig Jahren fanden viele Veranstaltungen und Aktionen statt, von denen wir Ihnen einige wichtige Beispiele vorstellen möchten. Unser besonderer Dank geht an die Stadt Erlangen und die Universitätsverwaltung. Dort haben wir stets offene Ohren für unsere Anliegen gefunden. Auch den Erlanger Nachrichten und dem Fränkischen Tag möchten wir danken denn sie haben mit Ihrer Berichterstattung geholfen, viele Erlanger Bürgerinnen und Bürger zu erreichen. Europäischer Protesttag zur Gleichstellung behinderter Menschen 5. Mai An diesem Tag gestaltet das ZSL seit vielen Jahren einen Infostand mit Stellwänden in der Innenstadt. Durch das Verteilen von Flugblättern an die Bevölkerung, lautstarkes Trommeln und Sammeln von Unterschriften, die an den Bürgermeister übergeben wurden, haben wir uns aktiv für die Verabschiedung eines Gleichstellungsgesetzes eingesetzt und für eine barrierefreie Umwelt gekämpft. Um unsere Forderungen verwirklichen zu können, arbeiten wir eng mit der Stadt Erlangen zusammen und konnten hier schon viele Veränderungen im Interesse behinderter Menschen bewirken 2000: Infostand auf dem Rathausplatz gemeinsam mit der Lebenshilfe:Trommeln für ein Gleichstellungsgesetz, Übergabe unserer Forderungen an den OB Dr. Balleis, Demonstration durch die Innenstadt, um Geschäfts- und Gaststätteninhaber zu überzeugen, Ihre Einrichtungen barrierefrei zu gestalten. Wer bereits eine Rampe angeschafft hatte, dem wurde eine Auszeichnung verliehen. 2001: Infostand und Plakatwände zur Gleichstellung Wo versperren uns in Erlangen Stufen den Zugang? Start der Aktion 2002 – Erlangen barrierefrei zum 1000-jährigen Jubiläum der Stadt. 2004: Infostand mit Plakatstellwänden zu denThemen: Wie barrierefrei ist der öffentliche Personen-Nahverkehr in und um Erlangen? sowie zu den Sozialreformen: Was ist sozial? 2006: Infostand, Stellwände und Unterschriftenaktion für Verbesserungen beim Reiseverkehr mit der DB für behinderte Menschen 2007: Teilnahme von RollstuhlfahrerInnen und Begleitpersonen aus Erlangen an der Sternfahrt nach München und dortiger Demonstration durch die Fußgängerzone für Verbesserungen bei der Deutschen Bahn Tag der offenen Tür in den Räumen des ZSL 1. Mai: Das ZSL als Rädli-Station Wir informieren in Gesprächen und auf Stellwänden über unsere Arbeit und wollen die Öffentlichkeit auf Probleme behinderter Menschen aufmerksam machen. Durch die Vorstellung von Hilfsmitteln, einem kurzen Gebärdensprachkurs und durch das Ausprobieren von Rollstühlen sollen Berührungsängste im Umgang mit behinderten Menschen abgebaut werden. Das Zusammenfügen eines Riesen-Puzzles „Soziale Landschaften“ der Aktion Mensch macht nicht nur Kindern sondern auch Erwachsenen Spaß. Bei Getränken und kleinen Snacks kommt man mit den zahlreichen BesucherInnen ins Gespräch. Aktionstage Infomarkt und Familienfest am Erlanger Schlossplatz Das Forum Behinderte Menschen in Erlangen, ein Zusammenschluss von Behindertenorganisationen und Selbsthilfegruppen, hat bereits drei Mal (in den Jahren 2003, 2005 und 2007) einen Aktionstag auf dem Schlossplatz veranstaltet. Zu diesem Familienfest mit einem Infomarkt der Selbsthilfegruppen, vielfältigen Aktions- und Spielangeboten und kulturellem Rahmenprogramm ist die Bevölkerung eingeladen, mit behinderten Menschen und ihren Organisationen ins Gespräch zu kommen. Das ZSL arbeitet an der Vorbereitung mit und ist immer mit einem Stand vertreten. Auf unserem Rollstuhlparcours können Kinder und Erwachsene Hindernisse mit einem Rollstuhl erfahren und mit einem Blindenstock oder einer Brille, die 2% Sehkraft simuliert, den Weg ertasten. Ausstellungen Sensibilisierung für Barrieren und Probleme Mit folgenden Ausstellungen wollten wir die Bevölkerung für Probleme und Barrieren sensibilisieren, mit denen behinderte Menschen in der Bundesrepublik und weltweit zu kämpfen haben. Aber auch die Lebensfreude behinderter Menschen wurde dargestellt. „Gleichgestellt leben” (Rathausfoyer) Ausstellung der Mitgliedsverbände des PARITÄTISCHEN in Erlangen über ihre Arbeit anlässlich des 10-jährigen Bestehens des Arbeitskreises (Rathausfoyer) aus 30 Jahren Erlanger Frauenbewegung (Stadtbücherei) Ausstellung „Entwicklung ohne Ausgrenzung -Behinderung und 3. Welt” (Rathausfoyer) Das ZSL organisiert die Ausstellung „Es ist an der Zeit… - Armutsbekämpfung ohne Ausgrenzung “ in der Stadtbücherei Erlangen. Schulungen und Infoveranstaltungen In regelmäßigen Veranstaltungen bei Heilerziehungs- und KrankenpflegeschülerInnen, bei SozialpädagogInnen, in Krankenhäusern und Schulen informieren wir über unsere Arbeit und über das selbstbestimmte Leben behinderter Menschen. Schulungen der Bus- und Taxifahrer sollen den Umgang mit behinderten Menschen, u.a. mit RollstuhlfahrerInnen, erleichtern. Seit November 2007 halten Daniela Buckel und Ina Fischer zusammen mit dem Dozenten der Lebenshilfe Thomas Petz regelmäßig Seminare zum Thema „Behinderung und Sexualität“ im Fortbildungsinstitut der Lebenshilfe Landesverband Bayern und richten sich an junge Menschen im Freiwilligen Sozialen Jahr. Öffentlichkeitsarbeit 53 Gesundheitstag Podiumsdiskussion Wie leben behinderte Frauen in Erlangen Im Oktober 2002 trafen sich im Haus Dreycedern Erlanger Frauen mit unterschiedlichen Behinderungen und berichteten über ihr Leben, z.B. Welche Wünsche und Ziele haben sie? Wie sehen sie ihre Umwelt und wie können sie die täglichen Barrieren der Gesellschaft überwinden? Wie erleben sie Partnerschaft, Familien- und Berufsleben? Podiumsdiskussion: Behinderte Kinder in der Regelschule Anlässlich des „Europäischen Jahres der Menschen mit Behinderung“ fand im Oktober 2003 eine Podiumsdiskussion zum Thema „Behinderte Kinder in der Regelschule – Bestandsaufnahme und Blick in die Zukunft“ im Rathaussaal statt. Vortrag: Tanja entscheidet sich für ein Kind – eine Mutter im Rollstuhl Tanja Miedl berichtete im Oktober 2005 über ihre Erfahrungen als Mutter im Rollstuhl. Ein Film über ihre Schwangerschaft, die Geburt und die ersten Monate mit dem Kind ließ uns an ihren Freuden, Sorgen und Ängsten teilhaben. Altstadttag und Aktionstag des PARITÄTISCHEN Bei diesen öffentlichen Veranstaltungen nimmt das ZSL die Gelegenheit wahr, sich und seine Arbeit vorzustellen. Durch einen Rollstuhl- und einen Blindenparcours soll auf Probleme behinderter Menschen aufmerksam gemacht werden, aber auch Hemmungen der Bevölkerung im Umgang mit behinderten Menschen abgebaut werden. Das ZSL vertritt den Paritätischen Bezirksverband seit ca. 15 Jahren im Sozial- und Gesundheitsausschuss der Stadt Erlangen und koordiniert die Zusammenarbeit der Mitgliedsorganisationen in einem Arbeitskreis. Gemeinsam haben sich die Paritäter in den letzten Jahren mit Ausstellungen und Aktionsständen der Öffentlichkeit vorgestellt. Ein Höhepunkt war anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft ein Riesen- Tipp-Kick-Tisch, an dem sich neben vielen Kindern auch unsere VolksvertreterInnen aus Stadtrat, Verwaltung, Landrat und Bundestag vergnügt haben. Aufsehen erregt hat auch ein Spiel zum Thema Chancengleichheit, bei dem verschieden große Riesenkegel mit verbundenen Augen so auf eine Treppe platziert werden mussten, dass sie am Ende eine Ebene ergaben. Danceability Kurse und Workshopss Seit 2000 leiten Heidi Fischer und Anke Hirschberg ca. fünf Mal jährlich Danceability-Kurse für behinderte und nichtbehinderte Menschen. 2002, 2003 und 2004 fanden jeweils 7-tägige Danceability-Workshops mit Alito Alessi in Erlangen bzw. Altdorf statt. Die 2003 im Workshop erstellte DVD kann zum Preis von € 10,- beim ZSL erworben werden. Danceability wurde 1984 von Alito Alessi und Karen Nelson in den USA entwickelt und geht davon aus, dass jeder Mensch, unabhängig von seinen körperlichen und geistigen Fähigkeiten, tanzen kann. Auch nur der Kopf, eine Hand oder ein Finger können sich tänzerisch bewegen und so den Körper „sprechen“ lassen. Danceability bietet die Möglichkeit, eine eigene Bewegungssprache zu finden und durch die Reaktion auf die sich verändernden Tanzbilder einen gemeinschaftlichen Geist zu entwickeln. Es geht nicht um fixierte Formen, wie sie in anderen Tanzstilen vorgegeben sind, im Gegenteil: authentische Bewegungen - wie immer sie aussehen mögen - sind hier die tragenden Teile des gemeinsamen Tanzes. Improvisation aus der Erfahrung des Augenblicks, die Sinne auf den eigenen Körper und nach außen auf die anderen gerichtet. Rollstuhl oder andere Hilfsmittel werden nicht als störend empfunden, sondern in den Tanz einbezogen. Durch die intensive Beschäftigung mit den eigenen Sinnen und Gefühlen finden die TänzerInnen ein neues Verhältnis zu Körper und Bewegungen. Verschiedene Elemente, wie meditative Selbstbeobachtung, Massagetechniken, Contact Improvisation und systematische Übungen sensibilisieren die Wahrnehmung für diese Art des Tanzens. Beatmung aktuell Herausgabe einer Lehr-DVD Das ZSL e.V. ist Herausgeber einer Lehr-DVD zur Froschatmung. Froschatmung kann für Menschen mit unterscheidlich stark gelähmter Atemmuskulatur von sehr großem Nutzen sein und z.B. von behinderten Menschen mit Schädigungen der Halswirbelsäule, Muskeldystrophie und Poliomyelitis angewandt werden. Froschatmung ist nützlich bspw. um stärker abzuhusten, um Ausfälle eines Beatmungsgerätes zu kompensieren, die Stimme zu verstärken oder Zeiten ohne Beatmungsgerät - wie beim Transfer vom Bett in den Rollstuhl - zu überbrücken. Für die Betroffenen bedeutet sie u.a. mehr Selbständigkeit, Unabhängigkeit vom Beatmungsgerät, eine höhere Sicherheit und auch weniger Ängste. Die DVD kann über das ZSL e.V. bezogen werden. Tagungen, Kongreße Beatmungskongress 2002 fand die 10. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Heimbeatmung und Respiratorentwöhnung in Erlangen statt. Die Hauptthemen waren Langzeitprognose und Lebensqualität von PatientenInnen mit Atemstörung, u.a. der optimalen Zeitpunkt des Beatmungsbeginns und die Bedeutung der nicht-invasiven Beatmung in der Akutmedizin. Das ZSL diskutierte mit Betroffenen, Pflegepersonen, Therapeuten und Ärzten über die Gestaltung eines selbstbestimmten Lebens mit Beatmung in häuslicher Umgebung. Tagung Selbstbestimmt Leben 2005 wurden in Erlangen bei Podiumsdiskussion und Workshops die Möglichkeiten eines selbstbestimmten Lebens für Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen aufgezeigt und zum Persönlichen Budget informiert. Den Gastvortrag hielt Elke Bartz. DasThema Leichte Sprache - für Menschen mit Lernschwierigkeiten von großer Bedeutung - zeigte, dass die konsequente Umsetzung, v.a. in Behördenbriefen oder Rechtsangelegenheiten nicht leicht ist. Tagung Behinderte Frauen und Assistenz An der internationalen Tagung in Paestum, Italien 2005 beteiligten sich Dinah Radtke und Sylke Stricker vom ZSL. Die Tagung war Ergebnis eines Forschungsprojektes zwischen Italien, Deutschland und Frankreich, an dem auch das ZSL maßgeblich beteiligt war. (Beispielhafter Ausschnit für Mitarbeit an vielen Tagungen) Stadtführer für Erlangen und Barrierefrei-Datenbank 2003 wurde bereits die vierte Auflage des Stadtführers für Menschen mit Behinderung durch Mitarbeit des ZSLs herausgegeben. Hier wurden alle öffentlichen Gebäude und Einrichtungen, Behörden, Kultur- und Sportstätten, Dienstleistungseinrichtungen, Apotheken und Arztpraxen, gastronomische und Beherbergungseinrichtungen usw. neu vermessen und mit Piktogrammen versehen. Aber v.a. Einrichtungen des Einzelhandels, Gaststätten und Arztpraxen sind nur unzulänglich für RollstuhlfahrerInnen zugänglich. 2007 konnte mit Hilfe des ZSL der Onlinestadtführer http://www.disabledgo-deutschland.info/ erstellt werden. Über 200 Gebäude in Erlangen sind in dieser Datenbank erfasst und können auf ihre Barrierefreiheit geprüft werden. Z f n I - L S ZSL-Info * Vereinsaktivitäten Vereinszeitung Seit Juli 1999 erscheint regelmasig die Vereinszeitung ZSL-Info. Drei bis vier mal pro Jahr werden hier aktuelle Termine und Berichte zu Themen wie lokale und uberregionale Behindertenpolitik veroffentlicht. Es wird uber Vereinsaktivitaten und die Offentlichkeitsarbeit des ZSL informiert und es gibt eine Pinnwand fur Kleinanzeigen (vorwiegend der Mitglieder). Aber auch die Mitglieder kommen zu Wort, z.B. in Urlaubs- oder Erfahrungsberichten. Die Zeitung wird kostenlos an Mitglieder, interessierte KundInnen und Institutionen verteilt. Forum Assistenz Erfahrungsaustausch der ZSL-KundInnen Seit Dezember 2002 treffen sich die Kundinnen und Kunden, die vom ZSL Assistenzleistungen erhalten, vier bis funf mal jahrlich im Forum Assistenz zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch oder zum Besprechen von Themen, die das Leben mit Assistenz betreffen. Teilweise sind AssistentInnen mit anwesend, so dass die Themen von beiden Seiten betrachtet werden konnen. Einige Themen bisher: variables Monatskontingent, Umgang mit dem Dienstplan Zusammenarbeit zwischen ZSL und KundInnen Schweigepflicht in der Assistenz: Was gehort dazu? Erfahrungsaustausch mit dem Assistenzdienst des ZSL Kassel und fib e.V. Marburg (Verein zur Forderung der Integration Behinderter) Vorstellungsgesprach - wie soll es aussehen, was muss es enthalten? Erwartungen der KundInnen an die Assistenzorganisation des ZSL. versicherungsrechtliche Fragen Kommunikation in der Assistenz: Wie sag ich's meiner AssistentIn? Konfliktgesprache und Psychohygiene Urlaub und Freizeitgestaltung mit AssistentInnen Selbstbestimmung: Wo sind die Grenzen? Mitgliederversammlung Arbeit und Ergebnisse In den jährlichen Mitgliederversammlungen berichten die BereichsleiterInnen der Beratungsstelle, der Assistenzorganisation und von ACCESS über ihre Arbeit und die erreichten Ergebnisse. Auch die finanzielle Situation des ZSL wird detailliert vorgestellt. Mit den Mitgliedern wird über relevante Themen diskutiert und abgestimmt. Stammtisch Mitglieder lernen sich kennen Beim Stammtisch oder vorweihnachtlichen Basteln, bei Kochkursen, Spiel- und Videoabenden trifft man sich in fröhlicher Runde und die Mitglieder lernen sich gegenseitig kennen. 15 Jahre ZSL Jubiläumsfeierr Im Mai 2003 feierte das ZSL sein 15-jähriges Bestehen mit vielen Gästen im Haus Dreycerdern. Barbara Vieweg, Geschäftführerin der ISL, hielt dabei einen Vortrag zum Thema Gleichstellungsgesetz- Neue Rechte für behinderte Menschen. Weihnachtsfeierr des ZSL e.V. Jährlich zur Vorweihnachtszeit finden wir uns zu einer stimmungsvollen Feier mit gutem Essen, gemeinsamen Singen und gegenseitigem Wichteln zusammen. Sommerfest am Altstädter Kirchenplatz Jedes Jahr im Sommer (außer wenn Aktionstage stattfinden) veranstalten wir unser beliebtes Sommerfest auf dem Altstädter Kirchenplatz. Bei Live-Musik, einem kleinen Kulturprogramm und natürlich bei leiblichen Genüssen (das Essen wird von den ZSLMitgliedern vorwiegend selbst mitgebracht) lassen wir es uns gut gehen und genießen die lockere Stimmung! Hilfe zum Leben Eine der Gruppen die sich regelmäßig im ZSL treffen. * Interview Theresa Angebrandt (24) Arbeitsassistentin von Ina Fischer (ZSL Mitarbeiterin, blind) „Immer wieder interessant ist es „Auge“ zu sein“ Interview mit Theresa Angebrandt Wie siehst Du Deine Arbeit? Eigentlich sollte ich meine Arbeit als das sehen, was sie ist, nämlich die Finanzierung meines Studiums. Aber natürlich lässt sich nicht immer so einfach sagen, was gerade Vorzug hat – ZSL oder FAU. Immerhin verlangt das ZSL von mir weder Hausarbeiten noch Referate und ich werde jeden Morgen mit einem leckeren Gratiskaffee erfreut. Andererseits kann ich mich in ZSL-Probleme und -Aufgaben wesentlich schlimmer und leichter verlieren, hineinsteigern und stressen, als in jede Klausur. Und trotzdem: Oft merke ich nicht, dass meine Arbeit eigentlich Arbeit ist. Durch die angenehme Atmosphäre und das freundschaftliche Verhältnis innerhalb des Teams der Beratungsstelle ist es mehr so, als ob man einigen Freunden und Bekannten bei irgendetwas hilft. Momentan kann ich mir auch noch gar nicht vorstellen, wie es einmal sein wird, wenn ich mein Studium beendet habe und dann mit meiner eigentlichen Arbeit Geld verdienen werde und meinen Neben(?)Job im ZSL aufgeben muss. Was gefällt Dir an Deiner Arbeit? Dass ich mir Montag früh um 8 Uhr nicht immer denken muss: Oh nein! Was ist das Besondere an Deiner Arbeit? Das wirklich Besondere an meiner Arbeit ist vermutlich, dass ich Arbeitsassistentin bin und somit meine Assistenzgeberin mein Fixpunkt bei der Arbeit ist. Doch zum Glück ist sie nicht nur meine Chefin, sondern auch eine prima Kollegin, mit der man abends mal ein Bierchen trinken gehen kann. Des Weiteren bin ich durch meine Arbeit aufmerksamer und sensibler für die Barrieren geworden, mit denen behinderte Menschen im Alltag konfrontiert werden. Ich versuche ein Gefühl dafür zu entwickeln, wann ein Mensch mit Behinderung Hilfe braucht und v.a. wünscht. Zu guter Letzt bietet mir das ZSL interessante Einblicke in die Öffentlichkeits- und Vereinsarbeit, durch die der Organisator in mir viel Wichtiges lernen konnte. Gibt es Bereiche, wo Deine Arbeit eine Herausforderung für Dich ist? Immer wieder interessant ist es für mich, „Auge“ zu sein: Das Wesentliche muss erfasst und irgendwie beschrieben werden - durch diese Selektion und Reproduktion findet natürlich schon eine Interpretation statt, und wenn man die dann auch noch reflektiert... (das musste ich jetzt schreiben, man darf ruhig merken, dass ich im Nebenjob Studentin bin). Kurz: Man lernt viel über die eigene (visuelle) Wahrnehmung. Der Umgang mit den vielen ZSLKlienten, -Freunden, -Vereinsmitgliedern, etc. stellt eine Herausforderung für mich dar – ich kann mir so schlecht Namen merken. Davon abgesehen bin ich manchmal unsicher, ob ein Mensch mit Behinderung von mir ein bestimmtes Verhalten gegenüber seiner Behinderung erwartet und wenn ja, welches. Ich weiß oft nicht sicher, wann, ob und wie viel Hilfe benötigt und erwünscht ist. Darüber hinaus war das Layout dieser Jubiläumsschrift eine einzige Herausforderung. Was würdest Du Dir für deine Arbeit wünschen? Einen eigenen Arbeitsplatz mit gutem Computer, ein besseres Namensgedächtnis und die volle geistige Durchdringung des Ablagesystems. Was würdest Du Dir vom ZSL wünschen? Manchmal ein bisschen mehr geduldige Nachsicht bei den Menschen, die noch nicht gegenüber den Bedürfnissen und Alltagsproblematiken von Menschen mit Behinderung sensibilisiert sind. * Interview Bernd Rubner Bernd Rubner ist Mitglied beim ZSL. Er wohnt in Fürth und ist beatmet. „Ich hoffe, es bleibt so wie heute“ Interview mit Bernd Rubner Was bedeutet das ZSL für dich? Ich bin dankbar, dass das ZSL existiert. Weil ich durch persönliche Assistenz in meiner eigenen Umgebung/Wohnung so weit wie möglich normal leben kann. Wie und wann bist Du zum ZSL gekommen? Ich habe 1994 das erste mal vom ZSL gehört und es daraufhin besucht. Als Ende 1997 meine Mutter gestorben ist, musste ich einen Weg finden, nicht in ein Pflegeheim abgeschoben zu werden. Zu Herrn Uhl hatte ich damals einen sehr guten Kontakt und das ZSL hat mich sehr gut unterstützt. Was gefällt dir am ZSL? Es bedeutet für mich natürlich in erster Linie Selbstbestimmung. Alles weitere steht in Frage eins. Was wünschst Du dir vom ZSL? Ich wünsche mir, das die bisherige erfolgreiche Arbeit weitergeführt wird. Wie stellst Du dir das ZSL in 10 Jahren vor? Ich hoffe, es bleibt so wie heute. Mehr kann ich dazu nicht sagen. 20 Jahre – 20 Highlights: Was fällt dir dazu ein? In Erlangen hat das ZSL bisher viel erreicht, aber ich wohne in Fürth, wo das ZSL nicht richtig präsent ist. Deshalb kann ich nicht soviel dazu sagen. Wenn Du einem Fremden in drei Stichpunkten das ZSL schildern sollst - Welche drei Begriffe würdest du nennen? Selbstbestimmung, Verbleiben in der gewohnten Umgebung und Bereitstellung der Assistenz. Wobei hat dir das ZSL besonders geholfen? Die drei Punkte in der Vorausgegangenen Frage zu ermöglichen. Was fällt dir zuerst ein, wenn Du ZSL hörst? Sicherheit und Assistenz. Welche Persönlichkeit ist beim ZSL für dich herausragend? Dinah Radtke! Kommst Du gern in die Räume des ZSL und warum/warum nicht? Ist mir im Moment leider nicht möglich, da mein neuer Rollstuhl noch in Arbeit ist. Wenn dieser soweit fertig gestellt ist, werde ich das ZSL natürlich mal wieder besuchen. Kommst Du gern zu Veranstaltungen des ZSL und warum/warum nicht? Siehe die letzte Frage :-)) Was wünschst Du dir von den Mitgliedern beim ZSL? Es wäre nett wenn es zwischen den Mitgliedern zu mehr Kontakt kommen würde. * Beitrag von Annegret Bördlein Erfahrungen einer Assistentin Im Herbst 2000 fand ich einen Flyer des ZSL in meinen Briefkasten, mit dem für die Tätigkeit als Assistentin geworben wurde. Von dieser Organisation hatte ich vorher noch nicht gehört und war neugierig, denn das Konzept überzeugte mich: Behinderte Menschen bei einer eigenständigen Lebensführung zu unterstützen. Damals war ich noch Studentin und zufällig gerade auf der Suche nach einem Nebenjob. Nach einem sehr unbürokratischen Vorstellungsgespräch stand ich schon nach wenigen Wochen mit gemischten Gefühlen bei meinen ersten beiden Klientinnen im Wohnzimmer, um mich bei ihnen vorzustellen. Was erwartet mich? Zweifel, ob mir der Job gefallen würde, hatte ich eigentlich nicht, aber komplett ohne Pflegeerfahrung brauchte ich einige Zeit um mich an die pflegerischen Tätigkeiten zu gewöhnen. Die Klientinnen, bei denen ich anfangs eingesetzt war, hatten sehr unterschiedliche Vorstellungen von ihren Assistentinnen: Die eine wollte eine reine „Arbeitsbeziehung“ und damit eine deutliche Trennung von Privatleben und Assistenz. Hier waren neben der Pflege auch viele Tätigkeiten im Haushalt zu erledigen. Bei einer anderen Klientin umfasste die Tätigkeit neben Pflege auch die Gestaltung der Freizeit, so dass automatisch ein persönlicheres Verhältnis entstand. Da mir persönlich ein freundschaftliches Verhältnis zu der Klientin wichtig ist, arbeite ich inzwischen nur noch bei Letzterer. Hier war zwar der frühe Arbeitsbeginn um 7 Uhr gewöhnungsbedürftig, aber so konnte ich trotz Nebenjob noch gut Vorlesungen besuchen. Schon bald merkte ich, dass es eine wunderbare Abwechslung zu Vorlesungen und Lernen war und es mir sehr viel Spaß macht mit Menschen zu „arbeiten“. Die Stunden, die ich bei meiner Klientin verbringe, kann man eigentlich nicht als Arbeit bezeichnen: morgens gemütlich gemeinsam frühstücken bevor die Morgenhygiene ansteht. Abends ist Fernsehen oder Plaudern angesagt, manchmal auch Kino, Kneipe oder ein Spaziergang. Über die Jahre trat der „Job“ immer mehr in den Hintergrund und meine Klientin und ich wurden Freunde. Es macht mir Spaß mit ihr zu quatschen, sie zu unterstützen und ihr damit ein Leben nach ihren Vorstellungen zu ermöglichen. Obwohl ich mittlerweile mein Studium abgeschlossen habe und anderweitig Vollzeit arbeite, bin ich meiner Klientin und dem ZSL treu geblieben und versuche einmal pro Woche einen Dienst in meinem Team zu übernehmen um in Kontakt zu bleiben. Annegret Bördlein * Interview Remona Naschwitz Remona Naschwitz ist seit 2003 Mitglied im ZSL. Sie wohnt in Erlangen und hat drei erwachsene Söhne. „Das ZSL hat mich von Anfang an verstanden“ Interview mit Remona Naschwitz Was bedeutet das ZSL für Dich? Das war und ist eine wichtige Anlaufstelle für mich. Ich habe Hilfe bekommen, Verständnis gefunden und mir wurde weiter geholfen. Wie und wann bist Du zum ZSL gekommen? Ich bin jetzt ca. 7 oder 8 Jahre dabei. Was gefällt Dir am ZSL? Wie gesagt, dass man mit Problemen, die man hat, zum ZSL kommen kann und dass alles dafür getan wird, dass einem geholfen wird. Auf jede Frage, die man hat, bekommt man Antworten. Was wünscht Du Dir vom ZSL? Das ZSL soll so weiter machen wie bisher. Die MitarbeiterInnen sollen so hilfsbereit und nett bleiben und weiter für die Rechte behinderter Menschen kämpfen. Das ZSL spricht für uns, ist immer für uns da, wenn wir in Not sind und auch dann, wenn man jemand zum Reden braucht. Das ZSL setzt sich immer sehr viel ein, z. B. für die Rampen an den Bussen. Daran war ich auch selbst aktiv beteiligt. Das ist wunderbar, was das ZSL leistet. - Die schönen Sommerfeste - Miteinander und füreinander da sein. - Die Menschlichkeit Wie stellst Du Dir das ZSL in 10 Jahren vor? Das ZSL soll die Fortschritte machen, die jeder Mensch und jede Organisation macht. Alles entwickelt sich weiter, mit den Erkenntnissen, die man hat. Man entwickelt sich weiter durch die Einflüsse, z.B. aus der Politik und durch die Menschen, die mit ihren Bedürfnissen auf das ZSL zukommen. Das ZSL wird weiter gebraucht. Die Menschen werden immer älter und es wird daher mehr Kranke und Behinderte geben, die die Hilfe des ZSL benötigen. 20 Jahre – 20 Highlights. Was fällt Dir dazu ein? - Die Rampenaktion „Eine Rampe für eine Stufe“ - Barrierefreiheit in Erlangen allgemein - Barrierefreiheit bei der Bahn - Die Assistenz - Die gute Öffentlichkeitsarbeit - Dinahs Engagement im Ausland Wenn Du einem Fremden in drei Stichpunkten das ZSL schildern sollst, welche drei Begriffe würdest Du nennen? Da wird Dir geholfen. Da wird Dir zugehört. Da geht jemand mit Dir Deinen Weg. Wobei hat Dir das ZSL besonders geholfen? Ich habe eine sehr unbekannte Erkrankung. Das ZSL hat mich von Anfang an verstanden und die Mitarbeiter haben mir weiter geholfen in jeglicher Beziehung. Ich habe eine Pflegestufe benötigt und beim Besuch des MDK war Daniela Buckel vom ZSL dabei. Das hat mir sehr geholfen. Auch beim Rollstuhl ist mir geholfen worden. Kein Mensch hat mir den Rollstuhl erklärt. Mir wurde nicht gesagt, wie ich mich da verlagern muss, usw. Ich bin dann ins ZSL und da war der Axel da und der hat mir den Rollstuhl erklärt. Ich bin mit meiner Krankheit fertig geworden. Ich weiß nicht, ob ich das ohne die Menschen im ZSL geschafft hätte. Ich finde es auch wichtig, dass man das weiter empfiehlt. Was fällt Dir zuerst ein, wenn Du ZSL hörst? Freundlichkeit, Freundschaft, Hilfsbereitschaft, tolle Menschen, Kämpfer ... und Stärke für mich. Ich bin nicht alleine. Das ist ganz wichtig. Ich denke, dass das viele fühlen. Welche Persönlichkeit ist beim ZSL herausragend? Das war als allererstes die Dinah. Sie war meine erste Ansprechpartnerin. Sie begleitet mich auch all die Jahre wie ein roter Faden. Dinah finde ich wunderbar und ich treffe sie immer wieder auf verschiedenen Veranstaltungen. Auch Sylke, Daniela und Axel sind für mich herausragende Persönlichkeiten. Aber egal, auch wenn jemand anderes am Telefon ist, wenn ich anrufe, man fühlt sich immer aufgehoben. Kommst Du gerne in die Räume des ZSL? Und warum bzw. warum nicht? Ich komme gerne hin und würde öfters hingehen, leider ist der Weg für mich sehr beschwerlich. Das ist der einzige Hinderungsgrund, warum ich so selten ins ZSL komme. Ansonsten würde ich liebend gerne öfters kommen. Kommst Du gerne zu Veranstaltungen des ZSL? Und warum oder warum nicht? Ich komme gerne zu Veranstaltungen des ZSL. Früher ist mir das sehr oft gelungen. Aus gesundheitlichen und privaten Gründen konnte ich die letzten Jahre nicht mehr so häufig dabei sein. Auch die Familie fordert viel Zeit. Ich werde aber versuchen, wieder mehr dabei zu sein. Die Veranstaltungen fand ich schön und ich bin gerne hingegangen. Was wünscht Du Dir von den Mitgliedern des ZSL? Ich würde mir ein regelmäsiges Treffen der Mitglieder wünschen. Am Besten in der Innenstadt, also sehr zentral. * Das Leitungsteam setzt sich zusammen aus: Dinah Radtke, Bereichsleitung Beratungsstelle Theresia Adelfinger, Vorstand Heidi Fischer, Vorstand Hilde Reinwand, Vorstand Birgit Waßmann, Bereichsleitung Assistenzorganisation * Die politische Linie des ZSL e.V. und der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL e.V.), dem Dachverband der ZSLs in Deutschland Das ZSL in Erlangen ist Grundungsmitglied der ISL und eine von dreisig Mitgliedsorganisationen. Die ISL ist eine von behinderten Menschen selbst getragene Organisation mit dem Anspruch, die Interessen von Menschen mit Behinderungen auf allen Ebenen zu vertreten. Die ISL hat masgeblich zum Paradigmenwechsel in der Behindertenpolitik in Deutschland beigetragen. In zwei Resolutionen, 1991 in Koln verabschiedet, hat sich die ISL ein unverwechselbares Profil geschaffen. Darin werden Grundsatze zum selbstbestimmten Leben und Kriterien zum Schutz des Begriffes ¡§Selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen¡¨ festgehalten. Diese Grundsatze sind bis heute die Leitlinie unseres politischen Handelns. Ziele der ISL sind unter anderem: Zusammenarbeit mit anderen Vereinen und Verbanden, um die Emanzipation Behinderter zu fordern und auf die Behindertenpolitik einzuwirken. flachendeckender Aufbau eines unabhangigen, ganzheitlichen, ermachtigenden Beratungsangebotes im Sinne der behinderten Menschen, um ihnen ein selbstbestimmtes und eigenverantwortliches Leben in der Gemeinde zu ermoglichen. Entwicklung alternativer Pflege- und Helfersysteme - insbesondere die Sicherung .Personlicher Assistenz¡§ -, um von stationaren Versorgungsangeboten unabhangiger zu werden. Aufrechterhaltung und Ausbau der internationalen Verbindungen zur Weiterentwicklung und Starkung der Burgerrechtsbewegung des .Independent Living¡§. ISL arbeitet daher eng mit dem .European Network on Independent Living¡§ (ENIL) zusammen und stellt bei der Weltorganisation Disabled Peoples' International (DPI) die deutsche Vertretung. Resolution 1 Verabschiedet am 20. April 1991 Grundsatze zum selbstbestimmten Leben Mit der Verwendung des Begriffes ¡¥Selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen¡¦ verbinden wir von ISL das Ziel, gleichberechtigt in der Gemeinschaft zu leben und unsere Selbstbestimmung auszuüben. Folgende Grundsatze sollen unsere Arbeit leiten: Selbstbestimmt Leben ist ein Prozess der Bewusstseinsbildung, der Entwicklung personlicher und politischer Entscheidungsbefugnis sowie der Emanzipation. Dieser Prozess befahigt uns, gleiche Moglichkeiten, gleiche Rechte und die volle Teilnahme in allen Bereichen der Gesellschaft zu erreichen. Als behinderte Menschen mussen wir diesen Prozess individuell und kollektiv kontrollieren. Zur Verwirklichung eines selbstbestimmten Lebens bieten wir gezielte Unterstutzung und Beratung von behinderten Menschen fur behinderte Menschen an und verwenden demokratische Grundsatze in unserer Arbeit. Als gleichberechtigte BurgerInnen mussen wir den gleichen Zugang zu den grundlegenden Dingen des Lebens haben. Dazu gehoren: Das Recht auf Nahrung, Kleidung, Wohnraum, Gesundheitsversorgung, Hilfsmittel, Dienstleistungen zur personlichen Unterstutzung, Mobilitat, Kommunikation, Informationen, Bildung, Arbeit, politische Betatigung, Zuganglichkeit aller gesellschaftlichen Bereiche sowie das Recht auf freie Sexualitat, Kinder und Frieden. Entscheidungen, die die Belange behinderter Menschen betreffen, durfen nicht ohne Beteiligung derselben getroffen werden (Nichts uber uns ohne uns). Unsere Initiativen fur ein selbstbestimmtes Leben sind eine behinderungsubergreifende Bewegung, die sich fur die Befriedigung der Bedurfnisse von allen behinderten Menschen einsetzt. Um dies zu gewahrleisten, mussen wir uns von Vorurteilen befreien, die wir gegenuber Personen mit anderen Behinderungen als unsere eigenen haben und das Engagement anderer unterreprasentierter Gruppen fordern. Wir mussen alle Voraussetzungen bekommen, die uns gleiche Chancen, wie sie Nichtbehinderte haben, einraumen und uns eine volle Teilnahme am Leben der Gemeinschaft ermoglichen, indem wir unsere Bedurfnisse, die Kompensationsmoglichkeiten und den Grad der Kontrolle uber diese notwendigen Dienstleistungen selbst bestimmen. Kinder mit Behinderung mussen von ihren Familien und der Gesellschaft dahingehend unterstutzt werden, dass sie ein eigenstandiges Leben entwickeln konnen. Unsere Burgerrechtsbewegung fur ein selbstbestimmtes Leben lehnt den Aufbau und Erhalt von Einrichtungen ab, die behinderte Menschen durch Aussonderung diskriminieren oder durch ihre Angebote in besondere Abhangigkeit bringen und halten. Wir, die behinderten Menschen, mussen die Moglichkeiten haben, uns selber in der Forschung, Entwicklung, Planung und im Treffen von Entscheidungen in allen Bereichen und Angelegenheiten, die unser Leben beruhren, zu engagieren. Resolution 2 Verabschiedet am 20. April 1991 Kriterien zum Schutz des Begriffs ¡¥Selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen¡¦ Jede offentliche und nicht offentliche Organisation, die den Titel ¡¥Selbstbestimmtes Leben behinderter - Menschen¡¦ benutzen will, oder vorgibt, unter diesem Motto zu arbeiten, muss folgende Prinzipien und Kriterien erfullen: Solidaritat Beratung, Information und Hilfen mussen behinderten Menschen kostenlos zur Verfugung gestellt werden. Die Aktivitaten mussen zum Wohle aller behinderter Menschen sein und deren Gleichbehandlung ungeachtet der Schwere ihrer Behinderung, ihres Geschlechts, ihres Alters und ihrer Herkunft gewahrleisten. Engagement und unterstutzendes Handeln fur die Verbreitung der Grundsatze des ¡¥Selbstbestimmten Lebens behinderter Menschen¡¦. Weiterbildung Weiterbildung gilt als wichtiges Werkzeug, um in der Lage zu sein, Erfahrungen und Einsichten weiter zu geben, und kann damit Menschen mit Behinderung befahigen, dem psychologischen, wirtschaftlichen, sozialen und politischen Druck, dem sie ausgesetzt sind, standzuhalten. In diesem Sinne sollen behinderte Menschen durch Beratung und Schulung ihrer speziellen Fahigkeiten ermutigt werden, so dass sie in allen Bereichen des Lebens aktiv mitwirken konnen. Deinstitutionalisierung Gegenpol zu allen mobilen und niedergelassenen offentlichen oder privaten Einrichtungen zu sein, die bestimmte Regeln fur behinderte Personen im Umgang mit ihrer Behinderung aufstellen. Da dies jedoch immer mit einer Behinderung bei der Entfaltung eines individuellen Lebensstils einhergeht, sind diese Institutionen abzulehnen. Insbesondere ist es jenen Institutionen untersagt, den Titel ¡¥Selbstbestimmtes Leben Behinderter¡¦ zu fuhren, die mit Organisationen zusammenarbeiten, die behinderte Menschen in speziellen Einrichtungen unterbringen, die keine Moglichkeiten zur freien Entfaltung der Personlichkeit bieten. Organisationsstruktur Solche Initiativen, Vereine, Verbande und Dachorganisationen durfen den Titel ¡¥Selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen¡¦ fuhren, Diese Grundsatze wurden auf der ISL - Mitgliederversammlung vom 19. - 20. April 1991 in Koln verabschiedet. wenn das aktive Stimmrecht nur von behinderten Mitgliedern ausgeubt wird, wenn alle Entscheidungspositionen von behinderten Personen bekleidet werden, dabei muss der gesamte Vorstand aus behinderten Mitgliedern bestehen, wenn mindestens 3/4 der bezahlten oder ehrenamtlichen Tatigkeit in der Verantwortung behinderter Menschen liegt, wenn bei Versammlungen, Verhandlungen, Auftritten in Medien usw. die Organisation ausschlieslich durch behinderte Personen reprasentiert wird. Unsere Visionen für die Zukunft Wir wünschen uns ein Assistenzgesetz, das behinderten Menschen ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht, indem es die Finanzierung des erforderlichen Hilfebedarfs, unabhängig von Einkommen und Vermögen gewährleistet. Wir wünschen uns einen Baustopp von Heimen. Behinderte und alte Menschen wollen trotz Abhängigkeit von Hilfen in der eigenen Wohnung bleiben. Ambulante Versorgung hat Vorrang vor stationärer Versorgung. Niemand soll in ein Heim oder eine Anstalt gehen, nur weil er/sie alt oder behindert ist! Wir wünschen uns eine gute Kranken- und Pflegeversicherungsreform. Wir wünschen uns eine umfassende soziale und finanzielle Förderung, die die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am gesellschaftlichen Leben garantiert und alle erforderlichen Leistungen und spezifische behinderungsbedingten Bedarfe abdeckt. Dazu gehören sowohl die Persönliche Assistenz wie auch Hilfsmittel, Therapie oder sonstige Förderbedarfe. Wir wünschen uns eine barrierefreie Verkehrsinfrastruktur. Wir wünschen uns, dass jedes Kind, unabhängig von einer Behinderung, das Recht hat, den gemeinsamen Unterricht in einer barrierefreien Regelschule zu besuchen und die dafür notwendige Förderung und Schulassistenz bereitgestellt wird. Wir wünschen uns die volle Finanzierung von qualifizierenden Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen für behinderte Menschen. Wir wünschen uns Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung auf dem ersten Arbeitsmarkt. Wir wünschen uns, dass behinderte Menschen zuerst als Menschen wahrgenommen werden, die die gleichen Rechte haben wie jeder andere auch. Aus diesem Grund müssen nicht nur PolitikerInnen, sondern auch Ämter, Behörden, ArchitektInnen, Verkehrsbetreiber und GeschäftsinhaberInnen alles Notwendige tun, damit die bestehenden Gleichstellungsgesetze umgesetzt werden. Barrierefreiheit und Gleichstellung helfen allen Menschen unabhängig von einer Behinderung am Leben in der Gesellschaft teilzunehmen und solidarisch zusammen zu leben. Wir wünschen uns, dass Leben wertgeschätzt wird, egal ob mit oder ohne Behinderung und zwar so wie es ist, besonders aber am Anfang und am Ende des Lebens. Wir wünschen uns, dass wir als ZSL e.V. unsere wichtigen Aufgaben auch in Zukunft erledigen können und die dafür notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt bekommen. * von Dinah Radtke Internationales Aktivitäten Unser deutscher Dachverband ISL (Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V) wurde kurz nach seiner Gründung 1990 Mitglied beim Behindertenweltverband „Disabled Peoples' International“ (DPI). Da damals Wolfgang Uhl und Dinah Radtke (zwei Mitbegründer des ZSL e.V. in Erlangen) im Vorstand von ISL waren, wurde Dinah Radtke beauftragt, internationale Kontakte für die ISL aufzubauen und zu pflegen. Eine Aufgabe, der sie noch heute ehrenamtlich nachkommt und bei der auch das ZSL e.V. in Erlangen eine Rolle spielt. Im Laufe der Jahre kamen immer wieder ausländische behinderte BesucherInnen nach Erlangen um sich auszutauschen und um sich Anregungen für ihre eigenen Organisationen in ihrem Land zu holen. Behinderte Frauen und Männer u. a. aus Tschechien, Ungarn, Rumänien, Frankreich, Italien, Spanien, Russland und Japan besuchten das ZSL in Erlangen. Unvergessen ist der Besuch einer japanischen Delegation mit 28 Personen 1996. Wir tagten damals mit der Unterstützung der Stadt Erlangen und des städtischen Behindertenberaters im Rathaus. Die JapanerInnen wollten alles über die Pflegeversicherung, Hilfe zur Pflege und Eingliederungshilfe erfahren, denn sie wollten in Japan ein Assistenzsicherungsgesetz durchsetzen. Das haben sie auch 2001 geschafft. In Japan gibt es jetzt mehr Zentren für selbstbestimmtes Leben Behinderter als in Deutschland: Es sind über hundert! ZSL-Mitarbeiterinnen konnten für DPI Europa an europäischen Projekten behinderter Frauen mitwirken, die sich den Problemen „Gewalt gegen behinderte Frauen“ und „Assistenz für behinderte Frauen“ angenommen haben. Netzwerke behinderter Frauen wurden durch europaweite Konferenzen gefördert und gestärkt. Die erste dieser europäischen Konferenzen für Frauen mit Behinderungen fand 1996 in München statt und wurde maßgeblich von Erlangen aus organisiert. Die langjährigen Erfahrungen des ZSL Erlangen können so in viele Gremien von DPI weiter getragen werden und fließen auch bei internationalen Konferenzen mit ein. Was ist DPI Disabled Peoples' International ist eine Weltorganisation behinderter Menschen. DPI ist ein Netzwerk aus nationalen Dachverbänden oder Zusammenschlüssen von Dachorganisationen behinderter Menschen, dem es erfolgreich gelungen ist, Menschen mit Behinderung eine gemeinsame starke Stimme zu geben. Es ist die einzige Weltorganisation, die behinderungsübergreifend arbeitet. DPI ist eine Menschenrechtsorganisation und wurde 1980 gegründet, um die Menschenrechte von Menschen mit Behinderung durch volle Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft zu stärken. Im Moment hat DPI 140 Mitgliedsländer. Über die Hälfte davon sind so genannte Entwicklungsländer. Auf der Welt gibt es mehr als 650 Mio. Menschen mit Behinderung. Die meisten davon leben in der so genannten Dritten Welt. DPI tritt entschieden für Menschenrechte und Chancengleichheit ein und kämpft gegen Diskriminierung. Die Lebensbedingungen behinderter Menschen wurden in vielen Ländern entscheidend durch die Arbeit von DPI verbessert. So war DPI maßgeblich am Weltaktionsprogramm für behinderte Menschen und an den Standardregeln der UN beteiligt. In den letzten Jahren hat DPI aktiv bei der Schaffung der Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderung mitgearbeitet und sehr großen Einfluss ausgeübt. Die Konvention trat im Mai 2008 in Kraft. Bei DPI gibt es sechs Weltregionen, die jeweils einen eigenen Vorstand haben. Eine Region davon ist Europa. Jede Region kann bis zu sechs Personen in den Weltrat von DPI entsenden, der die langfristigen Ziele von DPI regelt. Außerdem gibt es noch ein Weltvorstandsgremium, in dem auch die jeweiligen Vorsitzenden der sechs Regionen von DPI vertreten sind. Dieses Gremium regelt die laufenden Geschäfte neben einer hauptamtlichen Geschäftsführerin. Eines der Ziele von DPI ist es, dass Menschen mit Behinderung am Leben in der Gemeinschaft teilnehmen können. Ein anderes Ziel ist es, Organisationen von Menschen mit Behinderung aufzubauen und zu unterstützen. Dazu wurden und werden viele Projekte durchgeführt. Jede Organisation, jeder Verein, der von behinderten Menschen kontrolliert wird, kann durch seinen Dachverband Mitglied bei DPI werden. Dinah Radtke ist beim deutschen Dachverband der „Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V.“ (ISL) ehrenamtlich tätig als verantwortliche Referentin für internationale Angelegenheiten. Bei DPI ist sie Vorsitzende des Frauenkomitees und im Vorstand von DPI Europa. Sie war von 2004 bis 2007 stellvertretende Vorsitzende von DPI mit dem Verantwortungs-bereich Menschenrechte. Dinah Radtke nahm an zwei Sitzungen der UN Frauenrechts-kommission teil und arbeitete aktiv an mehreren Sitzungen des Ad Hoc- Komitees zur Schaffung der UN Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderungen in New York mit. * Interview Gisela Satzinger Assistentin Interview mit Gisela Satzinger „Assistenz beim ZSL - ein Job wie kein anderer“ Wie siehst Du Deine Arbeit ? Ich sehe meine Assistenzarbeit bei und mit behinderten Menschen als alltäglich an, allerdings körperlich, psychisch und mental fordernd, was von Nicht-AssistentInnen kaum bis gar nicht nach-vollzogen werden kann. Was ist das Besondere an Deiner Arbeit? Kein Dienst ist wie der anderer - er birgt ständig neue Überraschungen, bezieht Menschen aufeinander/ein, ist individuell für KundIn und AssistentIn. Was gefällt Dir daran? Meine Arbeit fordert Engagement, konfrontiert mich mit dem Leben, lotet unterschiedlichste Tiefen und auch Höhen des menschlichen Verhaltens aus, verlangt in jeweiligen Situationen extrem angemessene "menschenwürdige" Reaktionen. Gibt es Bereiche, wo Deine Arbeit eine Herausforderung für Dich ist? 1 Assistenzarbeit ist per se Herausforderung, wenn die Assistenz ihre Arbeit und damit die KundInnen ernst nimmt und auch ernst genommen wird. Eher Dystress bereitende Herausforderungen: 2. wenn KundInnen Inhalte und Grenzen von Selbstbestimmung nach momentaner "Lust und Laune" statt nach dem tatsächlichen Bedarf bestimmen; 3. wenn ZSL, Pflegedienstleitung, Assistenzorganiation und Assistenz "gegen" KundInnen arbeiten müssen, damit letztere im Rahmen ihres selbstbestimmten Lebens bleiben, 4. wenn KundInnen Intensivpflege bedürfen und eigentlich Fachpersonal diese Arbeit tun müsste, 5. wenn KundInnen Assistenz und ZSL ausnutzen statt nutzen, 6. wenn Arbeitszeit nur zum Teil bezahlt wird und damit der Stundenlohn recht gering ausfällt, und das bei körperlich und psychisch-mental anstrengender Arbeit, 7. wenn KollegInnen ihr "eigenes Süppchen kochen", d.h. ihre eigenen Interessen in den Vordergrund stellen und kaum bis keine Kooperation und Zusammenarbeit, keine offene Aussprache möglich ist. Was würdest Du Dir für deine Arbeit wünschen? 1-2 mal jährlich Supervision für Team oder einzeln als Standard-Angebot; Fortbildungen für Teams (v.a. bei pflegeintensiven KundInnen) für gemeinsames Arbeiten; psychosoziale Fortbildungen, evtl. auch mit Zertifikationen; Möglichkeiten beruflichen Aufstiegs mit Kompetenzerweiterungen in Team- und Vereinsarbeitsbereichen. Was würdest Du Dir vom ZSL wünschen? Förderung und Unterstützung für Anfänger, dazu Anerkennung, Anreize (auch finanzieller Art) vom Gesamtverein, v.a. für langjährige und/oder engagierte AssistentInnen. Wenn möglich: Ein markanten Satz zum ZSL 1. Assistenz beim ZSL - ein Job wie kein anderer 2. Selbstbestimmt Leben - eine Herausforderung für Menschen mit und ohne Behinderung * Interview mit Lina Schwanenberg Lina Schwanenberg (29) hat seit ihrer Geburt eine spastische Tetraparese und arbeitet bei der Siemensbetriebskrankenkasse. Sie wohnt in Erlangen und ist Mitglied im ZSL. „Das ZSL wird hoffentlich noch größer werden“ Was bedeutet das ZSL für dich? Das ZSL ist ein Ansprechpartner im Großraum Erlangen für alle Fragen rund um Behinderung. Hier bekomme ich auch alle Infos, die ich für meine Arbeit in der Servicestelle benötige. Wie und wann bist Du zum ZSL gekommen? Ich bin seit 2006 Mitglied beim ZSL. Durch Zufall wurde ich auf das ZSL aufmerksam. Ich habe beim Vorbeifahren das Schild in der Luitpoldtstraße gesehen und es hat mich direkt angesprochen. Ich bin dann in den Eingangsbereich gegangen und habe dort einen Flyer für eine Tagung von behinderten Frauen gefunden. An dieser Tagung habe ich dann teilgenommen und im Anschluss Kontakt mit dem ZSL aufgenommen. Dort war Daniela Buckel meine Ansprechpartnerin, die mir viele Infos zum ZSL gegeben hat. Ich bin dann sehr schnell Mitglied geworden. Was gefällt dir am ZSL? Mir gefällt besonders, dass es offen ist für jeden und man Beratung zu allen Themen bekommt. Die Leute dort sind sehr nett und man kann immer auf sie zukommen, ohne sich zurücknehmen zu müssen. Wobei hat dir das ZSL besonders geholfen? Das ZSL hat mir besonders geholfen das Persönliche Budget besser zu verstehen und den Weg zur Peer-Counseling-Weiterbildung zu finden. Ohne das ZSL hätte ich an dieser Weiterbildung nicht teilgenommen. Was fällt dir zuerst ein, wenn Du ZSL hörst? Dinah Radtke Welche Persönlichkeit ist beim ZSL für dich herausragend? Ina Fischer Kommst Du gern in die Räume des ZSL und warum/warum nicht? Ich komme sehr gern in die Räume des ZSL. Die Atmosphäre ist sehr angenehm und es ist barrierefrei zugänglich. Kommst Du gern zu Veranstaltungen des ZSL und warum/warum nicht? Ich war bisher nur auf der Weihnachtsfeier des ZSL. Dort hat es mir sehr gut gefallen. Ich habe sehr viele Leute getroffen, von denen ich bis dahin nur die Namen kannte. Ich konnte Kontakte knüpfen und mich mit anderen behinderten Menschen austauschen. Auch die Stimmung fand ich sehr gut. Was wünschst Du dir vom ZSL? Ich wünsch mir vom ZSL, dass es noch mehr Präsenz in Erlangen bekommt. Ich bin der Meinung, dass zu viele Leute das ZSL noch nicht kennen. Wie stellst Du dir das ZSL in 10 Jahren vor? Das ZSL wird hoffentlich noch größer sein. Es ist dann auch bekannter, auch über die Stadtgrenzen Erlangens hinaus. Wenn Du einem Fremden in drei Stichpunkten das ZSL schildern sollst - Welche drei Begriffe würdest du nennen? Beratung von Behinderten für Behinderte. Das ZSL ist professionell und barrierefrei zugänglich. * Interview Monika Merkel ist Gründungsmitglied des ZSL und hat sich viele Jahre im Vorstand des ZSL engagiert. Sie wohnt in Erlangen, ist beatmet und hat Rund-um-die-Uhr-Assistenz. „Ich wünsche mir mehr ehrenamtliche Arbeit“ Interview mit Monika Merkel Was bedeutet das ZSL für dich? Das ZSL ist eine politische Vertretung für mich und andere behinderte Menschen. Das ZSL hilft mir, mit weniger bürokratischem Aufwand mit Assistenz zu leben Wie und wann bist Du zum ZSL gekommen? Ich war Gründungsmitglied Was gefällt dir am ZSL? Der menschliche Umgang der Mitarbeiter mit den Kunden und die professionelle Arbeit mit Behörden und Politik Was wünschst Du dir vom ZSL? Das ZSL soll so bleiben und weiterhin so gute Mitarbeiter finden. Es soll sowohl für die ehrenamtliche als auch für die hauptamtliche Mitarbeit versuchen junge Behinderte anzuwerben. Was fällt dir zuerst ein, wenn Du ZSL hörst? Gut, dass es das ZSL gibt Geborgenheit, Zukunft, Leben dürfen Welche Persönlichkeit ist beim ZSL für dich herausragend? Dinah Radtke Kommst Du gern in die Räume des ZSL und warum/warum nicht? Ich komme gerne, wenn es nötig ist Kommst Du gern zu Veranstaltungen des ZSL und warum/warum nicht? Ich komme gerne zu Info-Veranstaltungen, aber zu Kaffeekränzchen und Ausflügen nicht Was wünschst Du dir von den Mitgliedern beim ZSL? Ich wünsche mir von den Mitgliedern (mich eingeschlossen) mehr ehrenamtliche Arbeit bei internen sowie externen Angelegenheiten. Wie stellst Du dir das ZSL in 10 Jahren vor? Ich hoffe, dass die jungen Behinderten, die jetzt nachkommen nicht so unselbständig wie die derzeitigen Kunden sind und sich nicht zu sehr auf das ZSL als Pflegedienst verlassen. Ich stelle mir die neuen Kunden eigenverantwortlicher vor. Wenn Du einem Fremden in drei Stichpunkten das ZSL schildern sollst - Welche drei Begriffe würdest du nennen? - Großes Mitspracherecht - Pflegedienst mit politischer Arbeit, der interessiert ist an verschiedenen Formen der Pflegeorganisation und der individuell auf seine Kunden eingeht - Verein, der von Behinderten geführt wird Wobei hat dir das ZSL besonders geholfen? Bei der Assistenzsuche * Beitrag von Christel Wiedemann-Drobny Das ZSL und ich Mittlerweile ist es nun fast neunzehn Jahre her, der Unfall, eine Querschnittslähmung ab dem 5. 6. Halswirbel. Neunzehn Jahre seit der Ungewissheit wie es weitergehen soll, im Rollstuhl mit drei Kindern (2,4 und 6 Jahre). Nach meiner halbjährigen Reha vermittelte mir der dortige Sozialarbeiter den Kontakt zum Zentrum für Selbstbestimmtes Leben in Erlangen mit Wolfgang Uhl und Dinah Radtke. Damals bei unserem Treffen, im ersten Büro, dem Wohnzimmer der Uhl´s, wurde mir nun die Möglichkeit aufgezeigt, im Rollstuhl das Leben in die Hand zu nehmen. Zum ersten Mal hörte ich von dem Wort Assistenz. Andere sollten nach meiner Anleitung meine Hände und Füße ersetzen. Kurzum, mir wurde ein positiver Blick in die Zukunft, in eine Zukunft mit vielen Fragezeichen, aber auch vielen Möglichkeiten aufgezeigt... Geplant war die Vermittlung einer Assistentin sowie eines Zivis durch das ZSL. Also fing ich langsam wieder an, mein Leben zu organisieren und es klappte wirklich, mit den Händen und Füßen der anderen soweit wie möglich selbstbestimmt zu leben. Zivis wurden bei den Kindern zu Windelwechselexperten, Begleiter in der Freizeit, lernten kochen, putzen, waschen und waren nach einem Jahr empfehlenswert für alle zukünftigen Hausfrauen. Von den Kindern geliebt, an manchen Tagen schwer erprobt, aber auch mit Geduld belohnt, wenn sie zum Beispiel grüne Schuhe mit schwarzer Wildledercreme einschmierten oder Vanillepudding mit Salz kochten. Und trotz so mancher Schwierigkeiten sind bis heute intensive Freundschaften zu den ehemaligen Zivis und ihren Familien geblieben. Drei Jahre nach dem Unfall kam die Trennung von meinem Mann. Neu anzufangen bedeutete für mich erst einmal, Vertrauen zu gewinnen, das Leben nun als eine alleinerziehende, rollstuhlfahrende Mutter zu bestreiten: eine neue, rollstuhlgerechte Wohnung zu suchen, das Autofahren neu zu erlernen, meine Berufstätigkeit als Logopädin neu aufleben zu lassen und mit meinen drei Kindern an die Grenzen zu gehen, die das Leben bietet. Ein Leben, das ohne das ZSL und die dortige Assistentenvermittlung so nicht möglich gewesen wäre. Ich habe vom Zentrum gelernt und organisiere mein Leben mittlerweile als selbstständige Arbeitgeberin, unabhängig vom ZSL, wodurch sich meine Flexibilität noch weiter erhöht hat. Die Zeiten haben sich geändert, langweilig wird es nie. Inzwischen treffen sich meine Kinder mit den ehemaligen Windelwechslern auf ein Bier im E-Werk, ich habe eine Ausbildung als Focusingberaterin gemacht und arbeite ehrenamtlich im Kinderschutzbund. Soeben habe ich einen Flug nach Japan gebucht, um meine Tochter zu besuchen, mein Jüngster hat sich in seiner Zivildienststelle gut eingelebt, der Mittlere hat wieder andere Rollstuhlfahrer auf ihren Reisen begleitet und so mancher Zivi bezieht nun die Betten seiner Kinder und weiß, wo er es gelernt hat... * Interview Tina Jahns Studentin der Sozialpädagogik, ehemalige Praktikantin in der Beratungsstelle und beatmete Rollstuhlfahrerin. Sie wohnt derzeit noch in Nürnberg, wird aber noch 2008 nach Erlangen umziehen. Was bedeutet das ZSL für dich? Ich hoffe sehr meine berufliche Zukunft! Wie bist Du zum ZSL gekommen? Ursprünglich als Klientin vor ca. 6Jahren durch Herrn Frenzel von der Kinderklinik Erlangen, 2006 mutierte ich zur Jahrespraktikantin. Was gefällt dir am ZSL? Die Herzlichkeit, der Mut zu neuen Ufern, der Kämpfergeist, die Offenheit Was wünschst Du dir vom ZSL? Ganz ehrlich? Nehmt mich mit an Bord, ich möchte zu dieser Mannschaft gehören! Wie stellst Du dir das ZSL in 10 Jahren vor? Mindestens ebenso tüchtig wie im Jahre 2008! Welche besonderen Erlebnisse (positive/negative) verbindest Du mit dem ZSL? Sehr viele positive während meines Praktikums. In dieser Zeit bin ich persönlich sehr gewachsen und habe sehr viel gelernt! Wobei hat dir das ZSL besonders geholfen? Bei der Verwirklichung meiner 24h-Assistenz und bei der beruflichen Verwurzelung, sprich Bestätigung das Richtige zu studieren! Was fällt dir zuerst ein, wenn Du ZSL hörst? ROT! Welche Persönlichkeit ist beim ZSL für dich herausragend? Das Team als Ganzes! * Beitrag von Ulrike Mitsch Meine Erfahrungen mit Persönlicher Assistenz und dem ZSL Seit 8 Jahren wohne ich nun schon in einer eigenen Wohnung. Zuerst war es sehr schwierig für mich, alleine leben zu müssen. Als ich noch arbeitete, musste ich um 4 Uhr aufstehen, um mit meinen täglichen Dingen fertig zu werden. Wie man weiß, kostet es uns viel Zeit, Frühstück, Anziehen, Waschen usw. auf die Reihe zu bekommen. Es war nicht immer leicht, aber mit viel Geduld habe ich es dann doch geschafft. Eines Tages habe ich mich an das ZSL gewandt. Von dort bekam ich Assistenz, das heißt: Leute die mich bei meinem Tagesablauf etwas unterstützen, z.B. einkaufen, kochen, waschen und putzen. Spazieren gehen mit Freunden ist auch noch sehr wichtig. Die Begleitung zu Behörden sollte auch nicht vergessen werden. Der wichtigste Punkt ist die Hilfe bei der Pflege. Nach einigen OPs benötige ich mehr Hilfe. In letzter Zeit brauchte ich dann auch mehr Hilfe in der Nacht. Mein jetziges Team hat mich in dieser Zeit wirklich gut unterstützt. Nun muss ich sagen, dass ich sehr viel Fachpersonal bekommen habe, sprich Helfer und Helferinnen mit einer Ausbildung im Pflegebereich. Auf mein bestehendes Team kann ich im Moment wirklich stolz sein. Es hat einige Zeit gebraucht, dieses Team aufzubauen. Deshalb auch an unsere Pflegedienstleiterinnen Ute und Renate ein großes Lob. Mit ihnen macht die Zusammenarbeit meist viel Freude. Ulrike Mitsch * Gründungsmitglieder 23.11.1988 Ein bewegender Tag Lottozahlen des Tages: 2, 6, 11, 33, 40, 49, + 16 SG Dynamo Dresden gewann 2:0 gegen AS Rom im UEFA Cup. Und das wichtigste…. Gründungsdatum des Zentrums für Selbstbestimmtes Leben Behinderter e. V. in Erlangen. Gegründet wurde der Verein von: Dinah Radtke Grete Hildner Monika Merkel Karl-Josef Hildner Jürgen Brunner Ivana Kößler (geb. Pokorna) Nicola Uhl Heidi Fischer Karin Flock (geb. Krischel) Wolfgang Uhl Karl-Heinz Miederer Josef „Jupp“ Possel Egbert Meisner * Lenken und leiten im ZSL Seit der Gründung am 23.11.1988 gibt es einen ehrenamtlichen Vorstand im ZSL. Immer wieder stellten sich aktive Mitglieder dieser Herausforderung. Zu den Aufgaben des Vorstands gehören u. a. die Repräsentation des Vereins und die Kontrolle der Vereinsarbeit. Der Vorstand wird von den hauptamtlichen MitarbeiterInnen des ZSL unterstützt. Im Leitungsteam treffen die Vorstände und die BereichsleiterInnen wichige Entscheidungen. Der ehrenamtliche Vorstand, der aus 3 Personen besteht, wird alle 2 Jahre bei der Mitgliederversammlung gewählt. Bisher übernahmen folgende Personen diese wichtige Aufgabe: Wolfgang Uhl Dinah Radtke Monika Merkel Karl-Josef Hildner Karlheinz Miederer Theresia Adelfinger Holger Mangold Axel Bauer Sigrid Wesche Jochen Kapelle Karin Flock Carmen Sommer Mike Snyder Michael Baczko Hilde Reinwand Heidi Fischer * Beitrag Heute vor zehn Jahren ist Wolfgang Uhl gestorben Ein Bericht von Ottmar Miles-Paul, Beauftragter für die Belange behinderter Menschen (Rheinland-Pfalz) und Redakteur des Online-Nachrichtendienstes kobinet-nachrichten Wenn der Begriff der Selbstbestimmung behinderter Menschen heute in aller Munde ist, hat dies auch entscheidend mit dem Engagement von Wolfgang Uhl zu tun. Der Jurist aus Erlangen ist heute vor zehn Jahren gestorben, so dass es sich lohnt, einmal auf diese Zeit zurückzublicken und an das Wirken von Wolfgang Uhl zu erinnern. In der eigenen Wohnung leben, Assistenz zu nutzen, um die behinderungsbedingten Nachteile auszugleichen und eine barrierefreie Umwelt. Das war nicht nur der Traum von Wolfgang Uhl, sondern auch sein Leben. Denn der oftmals äußerst unkonventionelle Jurist wusste, was er wollte und lebte dies auch. Trotz hoher körperlicher Einschränkungen hatte er sich die nötige Assistenz organisiert und durchgesetzt, machte Reisen und baute vor allem viele Organisationen in der Behindertenbewegung auf. Gemeinsam mit Dinah Radtke und vielen anderen baute er in Erlangen das Zentrum für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen auf und zeigte dort, was alles möglich ist. Er war Gründungsmitglied der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland und wirkte viele Jahre im Vorstand der Organisation mit. Und er forderte viele VertreterInnen aus der Politik und Verwaltung immer wieder zum Gehen von neuen Wegen heraus. Und dies in einer Mischung aus Beherztheit, Kompetenz und Unkonventionalität. Wolfgang Uhl war ein Mensch, der viele Veränderungen bewirkt und Systeme und Menschen herausgefordert hat. Vieles gäbe es heute vielleicht ohne Wolfgang Uhl so nicht. Das war die eine Seite von Wolfgang Uhl. Die andere Seite war die tief menschliche Art, die intensiven Gespräche und die langen Abende in seiner Küche im Herzen von Erlangen. Wolfgang Uhl schwärmte beim Wein von Neuseeland, wo er schon früh erleben konnte, wie barrierefrei eine Gesellschaft werden kann, wie man dort frei reisen kann. Wolfgang Uhl träumte von Gleichstellungsgesetzen als diese in Deutschland noch weit vor der Verabschiedung waren und Wolfgang Uhl genoss das Zusammensein mit seiner Familie. Wolfgang Uhl starb schlichtweg zu früh, denn er erreichte das 40. Lebensjahr nicht als er heute vor zehn Jahren morgens nicht mehr aufwachte. Doch auch heute wirkt er noch in vielen Menschen durch seine Art und durch seine Taten. Kobinet-Nachrichten am 15.4.2008 Wolfgang Uhl hinterlässt eine Tochter und zwei Söhne. * Verstorbene Mitglieder und Weggefährten In den letzten 20 Jahren sind immer wieder Mitglieder und wichtige Weggefährten von uns gegangen. Sie haben mit ihrem persönlichen Engagement in unterschiedlicher Weise zur Entwicklung des ZSL beigetragen. Wir wollen an dieser Stelle an sie erinnern; sie werden immer in unseren Herzen bleiben: Sissi Uhl ( † 1983) Anneliese Krug († 1990) Katharina Glas ( † 1991) Bettina Birkner ( † 1993) Bernhard Zapf ( † 1995) Christine Lechner ( † 1995) Alfred Uhl ( † 1996) Josef „Jupp“ Possel († 1997) Siegfried Rosa († 1997) Wolfgang Uhl († 1998) Doris Körner († 1998) Günther Schimetschek († 1998) Dr. Herbert Pongratz ( † 1999) Hans-Joachim „Hajo“ Wiebe († 1999) Sigrid Wesche ( † 2000) Leonidas „Morphy“ Cuhaci († 2000) Cornelia von Falkenstein († 2000) (?) Thomas Neugebauer († 2002) Gabi Langer ( † 2003) Wiebke Baczko († 2003) Carmen Sommer († 2003) Gerhard Gallas († 2004) Justine Borger († 2004) Konrad Winkelmann († 2005) Ursula Müller ( † 2006) Elfriede Uhl († 2007) Sylvia Brandenstein († 2007) Jürgen „Luigi“ Achleitner († 2007) Gisela Neudecker († 2007) Christoph Kögler († 2007) Gisela Küller († 2007) * Danksagung Zu guter Letzt ein dickes Dankeschön an die Sponsoren! (Logos in grafischer Form im PDF) * Impressum Herausgeber: Zentrum für Selbstbestimmtes Leben Behinderter e.V. Adresse: Luitpoldstr. 42-44 91054 Erlangen Tel.: 09131-205022 Fax: 09131-207351 info@zsl-erlangen.de www.zsl-erlangen.de Redaktion: Ina Fischer, Sylke Stricker, Rainer Keßler, Theresa Angebrandt Druck: Druckladen Universitätsstraße 31 91054 Erlangen www.druckladen.de Copyright: Zentrum für Selbstbestimmtes Leben Behinderter e.V. Auflage: 500 Stück Stand: August 2008 ENDE